Thomas Jefferson wurde 1801 Präsident der USA. Der Krieg gegen Tripolis, wo der Despot Karamanli mittels Piraterie seine Kassen füllte, war die erste Intervention der Vereinigten Staaten. Langsam nähern sich am Abend des 16. Februar 1804 zwei kleine Segelschiffe der Bucht von Tripolis. Kein Posten der Küstenwache ahnt, dass an Bord eines der beiden ein amerikanisches Spezialkommando verborgen ist. Die rund 80 gut ausgebildeten Marinesoldaten und Matrosen haben sich freiwillig zu dem tollkühnen Einsatz mit äußerst geringer Aussicht auf Erfolg gemeldet. Bei Nacht und Nebel wollen sie unerkannt in den inneren Hafen der Stadt eindringen und unter den drohenden Küstenbatterien Pascha Jussef Karamanlis ein Schiff in Brand stecken: die Philadelphia.Die Fregatte gilt als Schande der jungen amerikanischen Kriegsmarine, seit sie bei dem Versuch, zusammen mit anderen Schiffen Karamanli durch eine Seeblockade zu einem Friedensvertrag zu zwingen, am 31. Oktober 1803 vor Tripolis auf Grund gelaufen war. Karamanlis Korsaren hatten sie geentert, 308 Mann Besatzung gerieten in Gefangenschaft. Seither lag die Philadelphia im Hafen von Tripolis, der US-Navy zum Hohn - und zur ständigen Bedrohung. Denn jederzeit konnte Karamanli das mit 44 Kanonen ausgerüstete Schiff als Piratenfregatte gegen die Vereinigten Staaten einsetzen.Der kühnste Coup dieser ZeitDie Schmach weckte den Ehrgeiz und die Fantasie der Amerikaner. Wenn es schon aussichtslos war, das Schiff im Kampf zurückzugewinnen, so konnte man es doch wenigstens in der Hand des Feindes zerstören. Wochenlang trainierten Marinesoldaten und Seeleute unter dem Kommando von Leutnant Stephen Decatur vor Sizilien, wie man bei Dunkelheit lautlos ein großes Segelschiff entert, wo Brandsätze und Sprengladungen anzubringen sind und wie man sie zündet. Wie sie heil entkommen sollten, übten sie nicht - Glück brauchten sie ohnehin.Siren, das Fluchtschiff, bleibt in der weiten Bucht vor Tripolis zurück. Allein segelt die Intrepid, eine gekaperte tripolitanische Ketsch mit Lateinersegeln, unter dem Kommando eines ortskundigen maltesischen Lotsen weiter und erreicht durch den Kanal zwischen den felsigen Riffs bei anbrechender Dunkelheit den äußeren Hafen. Ein Wachboot kommt längsseits und verlangt Auskunft. Der Lotse antwortet ruhig, er sei von Malta gekommen, um junge Bullen zu holen. Unbehelligt lässt man das Schiff ziehen. Im Grau der Dämmerung zeichnen sich die Umrisse der Philadelphia ab, die im inneren Hafen ankert. Ihr Rigg ist stark beschädigt, aber der Rumpf heil geblieben. Eine Wachmannschaft sichert das Schiff bei offenen Stückpforten.Ein zweites Wachboot kommt heran und fordert die Intrepid auf, sich von der Fregatte fern zu halten. Der Lotse zeigt eiserne Nerven und antwortet, er habe unterwegs den Anker verloren, ob er nicht an der Fregatte festmachen könne. Nach einigem Hin und Her kommt die Erlaubnis. Doch der Wind dreht und treibt die Intrepid eine Schiffslänge fort.In diesem Moment heißt es improvisieren. Ein Beiboot der Intrepid übernimmt eine Leine und rudert zur Philadelphia hinüber. Die Wache auf der Fregatte zeigt sich hilfsbereit, jemand steigt in ein Boot und übernimmt ebenfalls eine Leine. Beide Mannschaften treffen sich und verknüpfen die Taue: Nun kann sich die Intrepid zur Fregatte hinüberziehen. In diesem Moment schöpft die Wachmannschaft Verdacht. Jemand schreit Alarm, und binnen Sekunden erschallt der Warnruf "Americanos!" durch die weite Bucht.Jetzt kann nur noch Kaltblütigkeit helfen. Lautlos entert das Spezialkommando die Philadelphia. Zwanzig der Wachsoldaten werden mit Dolch und Säbel niedergestreckt, die übrigen retten sich über Bord. Nur fünf Minuten braucht der Trupp, um Sprengladungen und Brandsätze anzubringen. Bei brennenden Zündschnüren, inmitten von Feuer, Pulverdampf und Qualm, verlässt das Enterkommando eilig das Schiff und rudert zur Intrepid zurück.Über den Eindringlingen bricht die Hölle los. Die starken Küstenbatterien feuern, dröhnend rollt ihr Donner durch die dunkle Bucht. Geschützblitze zucken auf und lassen die Silhouette der Stadt erkennen. Doch die Flucht gelingt: Ohne Verluste, bei nur einem Leichtverletzten, gewinnen Decatur und seine Leute die Bucht und retten sich auf die Siren. Hinter ihnen brennt die Philadelphia gleißend nieder, löst sich von den Leinen und geht nach einer Explosion unter.Das Unmögliche war gelungen. Das Husarenstück gab Offizieren und Mannschaften der US-Navy Selbstvertrauen und neuen Mut. Großbritanniens Admiral Horatio Nelson, damals die höchste Autorität in maritimer Kriegsführung, adelte die Attacke mit den Worten: "Der kühnste und verwegenste Coup dieser Zeit." Doch entschieden war damit noch lange nichts, die 308 Seeleute blieben in Geiselhaft.Die Intervention in Nordafrika war der erste bewaffnete Konflikt, den die Vereinigten Staaten außer Landes führten. Tripolis gehörte mit Algier und Tunis zu den so genannten Barbareskenstaaten, die seit dem 16. Jahrhundert Teil des Osmanischen Reichs waren. Der Sultan ließ seinen Statthaltern freie Hand, sofern sie einen jährlichen Tribut zahlten und Gefolgschaft in allen außenpolitischen Angelegenheiten bis hin zum Krieg leisteten.Den Thron von Tripolis hatte 1795 Jussef Karamanli bestiegen, eine schillernde Figur: Klein an Gestalt, lebhaft und weltoffen, konnte er liebenswürdig, freundlich und charmant sein und in perfektem Italienisch seine europäischen Gäste beeindrucken. Doch ein falsches Wort versetzte ihn augenblicklich in Raserei und ließ ihn zum grausamen Despoten werden. Um die Macht zu erringen, hatte er vor den Augen seiner Mutter einen Bruder umgebracht, ein anderer rettete sich ins Exil. Karamanli regierte das Land mit eiserner Hand: Todesstrafen für geringste Vergehen, Verstümmelungen für Nichtigkeiten. Die in Tripolis lebenden Europäer trösteten sich damit, dass die Verhältnisse in den anderen Barbareskenstaaten noch viel übler waren.Das US-Konsulat wird gestürmtKaramanlis Reich hatte ungefähr die Grenzen des heutigen Libyens: An der knapp 2000 Kilometer langen Küste lagen die Provinzen Tripolitanien im Westen, deren Mittelpunkt die Hauptstadt Tripolis war, und Cyrenaika mit der Provinzhauptstadt Derna im Osten. Beide Regionen, getrennt durch die Große Syrte, bestanden im Wesentlichen aus einem relativ dicht besiedelten, fruchtbaren Küstenstreifen mit einem großen, wüstenähnlichen Hinterland. Fezzan, die dritte Provinz, lag 700 Kilometer weiter im Süden inmitten der Wüste. Die Einnahmequellen sprudelten spärlich: Der Handel mit Sklaven, die in Karawanen aus dem Inneren Schwarzafrikas verschleppt wurden, der alljährliche Zug der Pilger längs der Küste nach Mekka, ein wenig Landwirtschaft - das war alles. Für den Tribut an den Sultan und den Sold für die eigenen Truppen reichten die Einnahmen nicht. So floss das richtige Geld von Norden her ins Land, vom Meer.Piraterie - das war für die Barbareskenstaaten die wichtigste Einnahmequelle. Länder, die unbehelligt bleiben wollten, schlossen Verträge und zahlten Schutzgelder für ihre Handelsschiffe. Großbritannien und Frankreich unterhielten Konsuln am Ort, welche die nötigen Pässe für die Schiffe ihrer Länder besorgten und Angehörige ihrer Staaten, die auf gekaperten Schiffen gefangen worden waren, vor der Sklaverei bewahrten. Die Leidtragenden waren kleinere Länder und Städte wie Venedig, Genua, Malta, Griechenland, Hamburg und Bremen, die sich diesen Aufwand nicht leisten konnten. Eine Fahrt in die Levante war für Schiffe dieser Länder ein großes Risiko. Ein reicher Kaufmann musste mit jahrelanger Geiselhaft rechnen, bis das Lösegeld gezahlt war. Einem armen Schlucker drohte lebenslange Versklavung.Die Freibeuter nannten sich nicht Piraten, sondern Korsaren, handelten sie doch gewissermaßen in Staatsauftrag. Jedes Land, das keinen Schutzgeldvertrag abgeschlossen hatte, wurde von den Barbareskenstaaten als Kriegsgegner angesehen. So brutal diese Praxis auch war, sie unterschied sich allerdings kaum von der Großbritanniens oder anderer christlicher Länder, die einst - siehe Francis Drake - Piraterie aus Staatsräson betrieben hatten.Stürzen Sie Karamanli!Die Jagd auf jedes Segel vor der Küste Nordafrikas war perfekt organisiert. Die Korsarenschiffe fuhren bestimmte Seegebiete ab. Konnte der Kapitän eines Handelsschiffes einen gültigen Pass vorweisen, durfte er die Fahrt fortsetzen, andernfalls musste er den Hafen des Landes aufsuchen. Mannschaft und Passagiere hatten vor dem Herrscher zu erscheinen, der im Audienzsaal inmitten seiner Minister und Beamten thronte. Der Wert jedes einzelnen Reisenden wurde taxiert. Reichtum, Stand und Bildung zu verbergen war sinnlos - Karamanli hatte kundige Ratgeber. Schicksale wurden in Minutenschnelle entschieden: Ein Wink, und ein Mann war frei - oder Sklave.Auch die Vereinigten Staaten gehörten zu den Leidtragenden. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts befuhren Handelsschiffe aus Boston und New York das Mittelmeer - schnelle Segler mit geübten Mannschaften, die England und Frankreich als lästige Konkurrenten ein Dorn im Auge waren. Auch die USA schickten Konsuln nach Algier, Tunis und Tripolis, meist ehemalige Kapitäne, die langjährige, leidvolle Erfahrungen in den Barbareskenstaaten gesammelt hatten. Richard O'Brian, der amerikanische Konsul in Algier, hatte dort zehn Jahre als Halbsklave gelebt. Nach Tunis kam William Eaton, ein ehemaliger Soldat - von ihm wird noch zu reden sein. In Tripolis traf im April 1799 James Cathcart ein, ein ehemaliger Seemann. Er hatte ebenfalls Jahre in Algier verbracht, die er als Eigentümer einiger Tavernen recht gut überbrücken konnte. In Tripolis war er nicht gern gesehen - nicht bei den Briten und Franzosen, schon gar nicht bei Karamanli, der sich mehr davon versprach, die amerikanischen Schiffe vor der Küste zu überfallen, als einen Vertrag einzugehen. Cathcart musste Monat um Monat warten, ehe er seine Beglaubigung überreichen konnte. Das Treffen mit dem Despoten mündete in einen Vertrag, der eine Zahlung von 18 000 US-Dollar pro Jahr sowie ein einmaliges "Konsulargeschenk" von 4000 Dollar vorsah.Cathcart war sehr zufrieden mit sich - bis Karamanli herausfand, dass seine Nachbarn, die Herren von Algier und Tunis, zu wesentlich höheren Beträgen abgeschlossen hatten. Der Pascha von Tripolis war nicht der Mann, sich dies gefallen zu lassen, und setzte Cathcart unter Druck. Im Frühjahr 1801 verlangte er einen neuen Vertrag mit einem Schutzgeld von 250 000 Dollar plus 25 000 Dollar Sondervergütung. Cathcart hatte weder Geld noch Verhandlungsspielraum und konnte nichts tun. Einige Wochen später stürmten Janitscharen sein Konsulat, holten die US-Flagge ein und nahmen Cathcart samt Familie gefangen. Es war die Kriegserklärung an die USA.Die Vereinigten Staaten sahen sich in einer ungünstigen Lage: Die Kriegsmarine, 1794 gegründet, war noch im Aufbau. Zwar hatten sie ausgezeichnete Schiffbauer und gut trainierte Seeleute, aber es fehlte an erfahrenen Kommandanten, und über das Mittelmeer, die Muslime und deren Mentalität war wenig bekannt. Drei Jahre lang, vom Sommer 1801 an, versuchten amerikanische Einsatzkommandos, Karamanli mit einer Seeblockade zu zermürben - ohne Erfolg. Die Schiffe hatten zu großen Tiefgang und konnten an der seichten Küste ihre Schlagkraft nicht entfalten. Auch nachdem der amerikanische Kongress 1802 Präsident Thomas Jefferson erweiterte Rechte für den Kriegsfall zugebilligt hatte, änderte sich wenig. Und das Jahr 1803 geriet dann vollends zum Fiasko: Ende Oktober verfolgte die Fregatte Philadelphia unter Kapitän William Bainbridge nahe der Küste einen tripolitanischen Kreuzer und lief auf ein Riff. Kanonenboote beschossen daraufhin Masten und Rigg der Fregatte, die ihre Kanonen aufgrund einer starken Schlagseite nicht einsetzen konnte. Ein paar Stunden später ergab sich die Mannschaft ohne Kampf.Mit der spektakulären Zerstörung der Philadelphia knapp vier Monate darauf hatte die US-Navy die Scharte zwar ausgewetzt, nicht aber die Gefangenen befreit. Die Offiziere lebten im ehemaligen amerikanischen Konsulat recht komfortabel, die Mannschaften hingegen wurden als Sklaven gehalten. Eine Million Dollar Lösegeld forderte der Despot. Ein haltloser Zustand!Im Sommer 1804, im vierten Kriegsjahr, tauchte abermals ein Einsatzkommando unter Leitung von Commodore Edward Preble vor Tripolis auf. Die Flottille bestand aus der Fregatte Constitution, die mit 30 langen 24-Pfündern und sechs 26-Pfündern ausgerüstet worden war, sowie 12 Briggs, Schonern und Kanonenbooten. Am 3. August 1804 begann Preble, Schloss und Küstenbatterien zu beschießen, um kurz darauf in Verhandlungen einzutreten: 80 000 US-Dollar plus 10 000 Dollar Taschengeld bot er dem Pascha. Karamanli bestand auf 150 000 Dollar und dem jährlichen Tribut, der noch auszuhandeln wäre. Preble erhöhte auf 100 000 Dollar plus 10 000 Dollar Taschengeld. Karamanli lehnte empört ab. Die Beschießung ging weiter.Offenbar war Karamanli von der See aus nicht beizukommen. Diese Einsicht entsprach den Plänen William Eatons, der nach seiner Absetzung als Konsul in Tunis der Jefferson-Administration einen anderen Vorschlag machte: Man könnte doch Ahmed Karamanli, den im Exil lebenden, älteren Bruder des Herrn von Tripolis, in Derna (der Hauptstadt der tripolitanischen Provinz Cyrenaika) als Gegenherrscher inthronisieren, um anschließend mit einem Armeekommando auf Tripolis zu marschieren und den Despoten abzusetzen. Kenner rieten ab: Ein Herrscher, mit christlicher Hilfe gegen Muslime an die Macht gekommen, würde sich nicht halten können. Der sture Eaton ließ sich nicht beirren und bekam den Geheimauftrag: Stürzen Sie Karamanli!Ahmed Karamanli hielt sich in Ägypten auf, wo Eaton, zum "Agenten der amerikanischen Navy" ernannt, Ende November 1804 eintraf. Mithilfe des rührigen britischen Botschafters nahm er Kontakt zu Ahmed auf, der in den Plan einwilligte, wenngleich unter der Bedingung, nicht per Schiff nach Derna zu reisen, sondern auf dem Landweg, 800 Kilometer durch die Libysche Wüste.William Eaton schluckte die Kröte. Er warb Söldner aller Länder, Glaubensrichtungen und Couleur an, stellte Diener und Kameltreiber ein, kaufte Pferde und Kamele, Waffen, Munition und Lebensmittel und vereinbarte mit dem Kommandanten eines amerikanischen Kriegsschiffes, ihn später vor Derna mit Proviant zu versorgen. Landkarten konnte er nicht beschaffen - es gab keine.Am 5. März 1805 setzte sich der 500 Mann starke, abenteuerlich zusammengewürfelte Trupp nach Derna in Marsch. An seiner Spitze ritt, ein Vorbild an militärischer Disziplin, ein knappes Dutzend schneidiger amerikanischer Marineoffiziere und Soldaten. Hinter ihnen marschierten, schon etwas nachlässiger gekleidet, 25 Artilleristen mit einer Feldkanone und eine Gruppe von 38 griechischen Söldnern in wilden Uniformen aller Provenienzen. Um sie herum ritten 90 arabische Reiter in bunten, goldbestickten Seidenjacken. Das lange Ende bildete der Tross aus Dienern und Kameltreibern, die zwei Beduinenscheichs unterstanden.Hätte Eaton gewusst, auf welches Abenteuer er sich einließ, wäre er wohl nie aufgebrochen. Die Vorräte waren knapp bemessen, keiner der Christen sprach Arabisch, und verständigen konnte er sich nur mit Ahmed Karamanli, der sich als höchst unzuverlässig und wankelmütig erwies. Der Trupp kam viel langsamer voran als geplant, sodass die Vorräte schnell ausgingen. Ständig wollten die Kameltreiber umkehren, weil sie mit ihrem Lohn unzufrieden waren. Gefährlich wurde die Lage, als die Araber sich anschickten, die Lebensmittelvorräte zu plündern: Eaton befahl seinen Leuten Gefechtsaufstellung. Eine Stunde lang, notierte er in seinem Tagebuch, standen sich Christen und Muslime kampfbereit gegenüber.Am 26. April, nach über sieben Wochen, erreichte Eatons verwegener Haufen die Küstenstadt Derna. Kurz zuvor hatten zwei amerikanische Kriegsschiffe ihn mit Proviant, Waffen und Munition versorgt. Ein Tag darauf begann die Beschießung der Provinzhauptstadt: Durch die Kanonen dreier Kriegsschiffe und Eatons Kämpfer von Land aus in die Zange genommen, strich der Gouverneur von Derna rasch die Flagge und flüchtete in den Harem, den laut Koran kein Krieger, schon gar kein Christ, betreten durfte.Es war ein Pyrrhussieg. Jussef Karamanli hatte ebenfalls ein Militärkommando von Tripolis aus in Marsch gesetzt, das die Sieger kurz darauf zu Belagerten machte. Unterdessen traf eine völlig unerwartete Nachricht ein: Die USA hatten in der Zwischenzeit einen Friedensvertrag mit Jussef Karamanli abschließen können, sein Bruder als neuer Herrscher wurde nicht mehr gebraucht und hatte ausgedient. Bei Nacht und Nebel schlichen sich Eaton und der nutzlos gewordene Ahmed mit den christlichen Offizieren und Soldaten auf die Constellation, die zu ihrer Evakuierung eingetroffen war, und überließen ihre muslimischen Kombattanten der Gnade ihrer Gegner. "Sechs Stunden zuvor hat der Feind Schutz vor ihnen in der Flucht gesucht", schrieb Eaton in sein Tagebuch, "nun geben wir sie in die Hand des Feindes aus keinem anderen Verbrechen als dem, zu großes Vertrauen in uns gehabt zu haben."Der seltsame Krieg der USA mit Tripolis gehört längst zur stolzen Tradition der US-Marines. Und so singen sie bis heute: "From the Halls of Montezuma / To the shores of Tripoli, / We fight our country's battles ..." - "Von den Tempeln Montezumas / Bis zum Strand von Tripolis / Fechten wir im Kampf für unser Land ..." Und heute in Afghanistan.Der Autor ist Publizist und lebt in Hamburg