Am 21. Februar 1946 erschien in Hamburg die erste Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT. Bis zur Nummer 13 zierte die Titelseite noch das Hamburger Wappen. Der Senat der Hansestadt sah darin jedoch einen Missbrauch des Hoheitszeichens: Nur staatliche Stellen dürften das Wappen führen, wurde der ZEIT mitgeteilt. Die Lösung fand man im Bremer Wappen, welches die Stadtherren der ZEIT ohne Nutzungsgebühr zur Verfügung stellten. Seither ziert der Bremer Schlüssel die Titelseite der ZEIT.

Die erste Ausgabe der ZEIT war nur acht Seiten stark, das in der Nachkriegszeit rationierte Papier reichte für eine Auflage von 25.000 Exemplaren. Jeder Artikel hatte vor dem Druck das britische Zensurbüro zu passieren. DIE ZEIT wagte als erste Zeitung (und lange Zeit als einzige) Kritik an den Siegermächten – immer mit der Einstellung, die Deutschen müssten die juristische Bewältigung ihrer Vergangenheit selber erledigen, anstatt sie den Besatzungsmächten zu überantworten. Sie war von Beginn an eine klare Stimme gegen Demontage und jede Form von Willkür seitens der Besatzungsmächte. Das war nicht ungefährlich, weil in jenen Jahren die englischen Pressezensoren die ZEIT leicht hätten verbieten können.

1955 wurde Marion Dönhoff Leiterin des Politik-Ressorts, später Chefredakteurin und Herausgeberin. Sie machte DIE ZEIT schon zu Beginn ihres Engagements zu einem unabhängigen, liberalen, oft "zwischen allen Stühlen" (Dönhoff) sitzenden Blatt. Mehr als 50 Jahre lang hat Marion Gräfin Dönhoff die Geschichte der ZEIT redaktionell, politisch und moralisch beeinflusst. Über ihre journalistische Arbeit und mehr als zwanzig Bücher wurde sie zu einer der meistgelesenen politischen Kommentatoren in Deutschland.

Der Versuch, die liberalen Blätter Stern, Spiegel und ZEIT im Jahr 1960 wirtschaftlich zusammenzuschließen, scheiterte. Mitte der 60er Jahre zog der Stern aus dem Gebäude am Speersort aus, das sich ZEIT, Stern und Spiegel bis dahin teilten. 1969 verließ auch der Spiegel das Pressehaus. Die Solidarität zwischen den Blättern und ein gemeinsames demokratisches Ziel zeigte sich allerdings während der Spiegel-Affäre 1962. Nach einem Spiegel-Artikel über eine Herbstübung der NATO ("Fallex 62") waren mehrere Spiegel-Mitarbeiter wegen des Verdachts des Landesverrats und der aktiven Bestechung vorläufig festgenommen worden. Die Spiegel-Redaktion wurde von Angehörigen der Sicherungsgruppe Bonn besetzt, durchsucht und versiegelt. Im Vorfeld wurden nicht nur die Mitarbeiter vom Spiegel, sondern auch die Redakteure der ZEIT telefonisch abgehört. Die ZEIT-Redakteure stellten ihren Kollegen Kollegen vom Spiegel in der Not Redaktionsräume, Schreibmaschinen und Archive zur Verfügung – eben alles, was sie zum Weitermachen brauchten. Für den Spiegel war das überlebenswichtig. Den Ausfall von mehreren Nummern hätte das Magazin wirtschaftlich nicht überstanden.

Literaturhinweis:
Die Geschichte der ZEIT schildern Haug von Kuenheim, ehemaliger Redakteur der ZEIT, Theo Sommer, Editor-at-Large der ZEIT, und Karl-Heinz Janßen in dem Buch Die Zeit.