Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher sozialer Klassen sind nicht einfach und sie scheitern oft an Erwartungen, an Ressentiments, an Neid. Jessi Streib ist Professorin für Soziologie an der Duke University in den USA und forscht zu Klassenunterschieden in der Ehe. 

ze.tt: Jessi Streib, Sie haben für Ihre Doktorarbeit mit 32 Paaren aus unterschiedlichen sozialen Klassen gesprochen und untersucht, welche Rolle Klasse in ihrer Ehe spielt. Heiraten Menschen überhaupt klassenübergreifend? 

Jessi Streib: Bei heterosexuellen Paaren war es lange selbstverständlich, dass sie ein unterschiedliches Klassen- und Bildungsniveau haben. Männer haben studiert, Frauen blieb das verwehrt. Heute, wo Frauen sogar häufiger studieren als Männer, gibt es immer weniger Paare, bei denen die eine Person Hochschulbildung hat und die andere nicht. Für meine Doktorarbeit habe ich mit Paaren gesprochen, die ursprünglich aus unterschiedlichen sozialen Klassen kamen. Fast alle hatten studiert, nach dem Hochschulabschluss gehörten sie derselben Akademikerklasse an. Solche Paarkonstellationen sind dennoch unüblich. Meistens suchen sich Menschen Partner:innen aus, die ihnen ähnlich sind. Das heißt: Menschen, die ähnlich aufgewachsen sind und in der Regel ähnliche Vorstellungen haben wie sie.