„Mode ist so unerträglich hässlich, dass wir sie alle Halbjahre ändern müssen.“ So sprach seinerzeit Oscar Wilde. Und auf der „Bread&Butter“ Modemesse in Barcelona hätte er sich angesichts gewisser Kreationen sicher bestätigt gefühlt. Das Motto der BBB jedoch könnte lauten: „Mode ist ein so unglaubliches Spektakel, dass wir es alle sechs Monate wiederholen müssen.“

Ein unglaublich riesiges Spektakel war es zweifellos, das die Macher der BBB auf dem Messegelände vor der Kulisse des Schlosses von Montjuïc aufzogen. 780 Aussteller und fast 49.000 Besucher aus 87 Ländern versammelten sich da zwischen 18. und 20. Januar, so die offiziellen Statistiken. Vor drei Jahren wurde die Messe für urbane Mode und Streetwear in Berlin gegründet, seit Sommer 2005 gibt es den spanischen Ableger, der schon bei der Premiere mehr Besucher anlockte als das Berliner Original. Euphorisiert von dem Erfolg unterschrieben die Veranstalter gleich mal einen Vertrag, und jetzt findet die Bread&Butter zweimal jährlich sowohl an der Spree als auch am Mittelmeer statt.

Das passt ganz gut zum Image der katalanischen Hauptstadt, die sich ja sowieso gerne jung und modisch und trendy präsentiert. „Ich glaube, Barcelona wird die neue Modehauptstadt Europas werden, ein Gegengewicht zu den prêt-a-porter-Zentren Paris und Mailand,“ meint Barbara Labella, Professorin für Modedesign am italienischstämmigen Instituto Europeo di Design. Das würde der Stadt wohl gefallen, und schon wird von einer "Barcelona Fashion Week" im Ausmaß der Londoner oder New Yorker geträumt.

Doch dieses Mal noch blieb es bei der Messe, einem gigantischen Networking- und Brandingmanöver. Denn darum geht es eigentlich – die Kleinen versuchen, auf zwölf Quadratmetern Kontakte zu knüpfen und Abnehmer zu finden, und die Großen sind da, um sich in Szene zu setzen. Das offizielle Ziel der BBB ist es, führende, trendsetzende Marken und eigenständige Händler zusammenzubringen. Der vereinzelte Peek&Cloppenburg-Einkäufer mag sich noch einschleichen, aber Hennes und Co. ist der Einlass verwehrt. Generell passte man sehr genau auf, wer seinen Fuß auf das Messegelände setzte – die Angst vor Ideenklau ist groß, und Kameras wurden im besten Falle mit argwöhnischen Blicken geduldet, meist jedoch nicht.

Beim Besuch der Presselounge, in der sich Schreiberlinge und Kameramänner mit Red Bull und Bier für lau auftanken konnten, wurde schnell klar, dass sie die Stilstümper waren. Außer einem waghalsigen jungen Mann mit blauen Lackturnschuhen tummelten sich hier die Normalos, für die „Accessoire“ noch ein Fremdwort zu sein schien. Für die Aussteller hingegen galt das Credo: Dein Outfit ist deine Visitenkarte. Und die Besucher wollten ihnen in nichts nachstehen, was teils zu schrecklichen Unfällen mit Ganzkörpernetzstrumpfhosen und überdimensionalen Fellaufsätzen führte.