„Übermensch“ – kein besonders schöner Titel für einen Comic. Unter diesem Namen würde der Leser vermutlich sozialdarwinistische Nazipropaganda erwarten: blauäugige blonde Hünen, die im Schneegestöber die Osterweiterung des Reichs vorantreiben. „Superman“ heißt der zum Glück nie übersetzte Originaltitel. Und wie jeder weiß, sind die Superman-Comics reine Sci-Fi-Unterhaltung und haben nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun - das müssten zumindest diejenigen annehmen, die die Bildergeschichten gelesen haben.

Der Erfinder Supermans heißt Jerry Siegel. Seine Eltern kamen als jüdische Einwanderer aus Litauen in die USA. Siegel ist nicht der einzige jüdische Superheldenerfinder, die Mehrzahl der Comicpioniere waren Juden aus New York. Der Journalist Jens Balzer fragte einmal den Comiczeichner Art Spiegelman, als dessen Werke im Berliner Martin-Gropius-Bau vor einigen Jahren ausgestellt wurden, ob er einen Zusammenhang zwischen Superheldenfantasien und jüdischen Immigranten sehe. Eine Vermutung, die bei genauerer Betrachtung nahe liegt.

Es scheint als hätten in den 20er und 30er Jahren viele Juden nicht einfach nur Europa verlassen, um wirtschaftlicher Not und Unterdrückung zu entgehen. Viele hatten in der neuen Welt Scheuklappen aufgesetzt und flüchteten in ein Paralleluniversum, in dem Helden mit übermenschlichen Kräften den Unterdrückten zu Hilfe kamen, während sich in Europa niemand für die Verfolgten einsetzte. Jahrelang war dies im Comic kein Thema. Bis schließlich Art Spiegelman, der aus der Underground-Comic-Bewegung kam, „Maus“ zeichnete. Aktuell sind es Joe Kubert und Will Eisner, die sich zuletzt mit Holocaust-Themen beschäftigten.