Was hat dich an der Rolle des Bruno gereizt?

Bei Filmen geht es für mich mehr um das Gesamtinhaltliche als um die einzelne Rolle. „Elementarteilchen“ hat mich sehr beeindruckt: Houellebecq erklärt auf 400 Seiten mal eben, warum alles so scheiße ist – und das mit derart viel Intelligenz und analytischem Scharfsinn. Das heißt jetzt aber nicht, dass ich alles eins zu eins unterschreiben würde. Ich bin ein optimistischer Mensch. Und obwohl ich Herrn Houellebecq in sehr vielen Dingen Recht geben muss, weigere ich mich, die Welt so zu sehen.

Nun ist die Weltsicht nicht durchgängig. Das Buch hat ja durchaus komödiantische Aspekte.

Richtig. Das satirische Moment, das in allen Houellebecq-Büchern steckt, bekommen sicher die wenigsten mit. Ich fand es jedenfalls sehr interessant, zu versuchen, daraus einen Film zu machen – noch dazu einen aus Deutschland. Man muss überlegen, wie weit man dem Buch folgen will und wo man sich vom Text lösen möchte. Das Buch beschäftigt sich hauptsächlich mit der Beschreibung von Innenwelten. Das ist filmisch nicht umsetzbar, es sei denn, man benutzt 120 Minuten Off-Texte. Ich glaube, wir haben da einen ganz guten Mittelweg gefunden. Dadurch, dass sich der Film – insbesondere im letzten Drittel – ganz stark vom Roman unterscheidet, zeigt sich doch so etwas wie ein kleiner Hoffnungsschimmer. Der Glaube an die Menschen geht nicht ganz verloren.

Wie recherchiert man denn eine Rolle als Sex-Maniac? Muss man dazu einen Vor-Ort-Termin im Swinger-Club abhalten?

Nein. Bei vielen Rollen geht es um technische, faktische Dinge: Wie hält ein Polizist eine Pistole? Wie hält ein Arzt einen Tupfer? So etwas muss man recherchieren. Beim Bruno in „Elementarteilchen“ geht es hingegen um ein Defizit, um ein Problem, das viele Menschen teilen. Die Figur zerbricht im Endeffekt daran, den eigenen Platz zu finden. Bruno kommt mit dem hierarchisch aufgeteilten Verhältnis der Geschlechter nicht klar – das zudem immer unklarer wird. Bruno kann sich sexuell in dieser Situation nicht mehr artikulieren. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass das, was Sexualität ja eigentlich ausmacht – Liebe, Intimität und Unschuld – für ihn nicht erfahrbar ist.