Du hast gerade deinen Abschlussfilm an der Münchner Filmhochschule fertiggestellt – und bist damit gleich auf der Berlinale gelandet. Hast Du das alles schon richtig realisiert?

Manchmal kann ich noch gar nicht fassen, dass auf einmal alles so ineinander greift. Das Drehbuchschreiben ist ja eine sehr einsame Angelegenheit, bei der man in sich drin nach Themen wühlt. Und dann geht auf einmal alles so schnell und du stehst hier auf der Berlinale und fragst dich: Wie ist das eigentlich passiert? Ich hab doch einfach nur mal aufgeschrieben, was ich erzählen wollte. Es ist ein tolles Erlebnis und macht viel Mut.

Wie war es für Dich, als Du Deinen Film hier das erste Mal vor Publikum gezeigt hast?

Ich habe mir den Film noch einmal mitangeschaut, was vielleicht keine so gute Idee war. Man fängt dann nämlich an, jeden Huster und jeden Atmer aus dem Publikum zu werten. Auf einmal hast du das Gefühl, du hörst 600 Leute gemeinsam atmen und bist in allen Köpfen drin. Und alles kommt dir plötzlich viel zu lang geschnitten und total langweilig vor. Du siehst nur noch Fehler und denkst: Wann ist es endlich vorbei? Und dann gehst du am Ende mit zitternden Knien vor die Leinwand. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass Buh-Rufe kommen, weil „Vier Fenster“ ein Film ist, der sehr polarisiert. Bei dem sich die Leute auch unwohl fühlen. Er ist in gewisser Weise eine Zumutung – und auch so gemeint. Ich hab danach aber ganz viele schöne Reaktionen gehört. Aber auf einer Premiere kommen ja auch eher die Leute auf einen zu, die den Film mögen.

Du hast den bekannten Kameramann Jürgen Jürgens, der schon für Michael Haneke und Rainer Werner Fassbinder gearbeitet hat, für Deinen Film gewinnen können. Wie hast Du das geschafft?

Es war für mich immer schon ein Traum, mit Jürgens zu arbeiten. Ich hatte das Gefühl: Dieser Mann steckt immer genau da, wo es interessant ist. Im Internet habe ich seine Telefonnummer gefunden. Die lag dann ganz lange auf meinem Schreibtisch. Als ich ihn schließlich angerufen habe, wollte ich in erster Linie nur einen Rat von ihm einholen, an wen ich mich bei der Suche nach einem Kameramann wenden soll. Ich bin bei ihm auf ein offenes Ohr gestoßen und fand es wirklich außergewöhnlich, dass sich so eine Koriphäe die Zeit nimmt und mir zuhört. Ich habe ihm dann mein Drehbuch geschickt, er hat es sofort gelesen, mich am nächsten Tag angerufen und gesagt: „Ich mach das.“ Ohne überhaupt nachzufragen, wie das Projekt finanziert wird, wie viel Erfahrung ich habe und welche „Stars“ da mitspielen.