Frau Agatton, unter welchen Umständen wurde Ingrid Betancourt entführt?

Als der Präsident Andres Pastrana die Friedensgespräche mit der FARC unterbrach, reiste Ingrid in die Stadt San Vicente del Caguan, die einen grünen Bürgermeister hatte und deren Bevölkerung ihr Gebiet für die Friedensverhandlungen zur Verfügung gestellt hatte. Die Leute hatten Angst, dass nun paramilitärische Gruppen in das Gebiet eindringen würden und sie setzten sich mit uns in Verbindung. Am 23. Februar um 16 Uhr brach plötzlich jeglicher Kontakt mit San Vicente ab. Bürgermeister, Stadträte, Pfarrer – niemand war mehr zu erreichen. Am nächsten Morgen klingelte mein Mobiltelefon. Es war einer meiner Mitarbeiter, der Ingrid begleitet hatte. Er sagte, dass Ingrid am Vortag entführt worden sei.

Gibt es Kontakt zu ihr?

Nein, wir bezweifeln sowohl die Aussagen der Guerilla als auch die Gerüchte, die sonst noch im Umlauf sind. Wir wissen nicht, ob sie noch lebt. Das einzige, was wir haben, sind zwei Lebenszeichen von ihr, von denen das letzte vor zwei Jahren und drei Monaten kam.

Inwiefern unterscheiden sich die Lebensbedingungen einer Ingrid Betancourt von denen unbekannter Entführungsopfer?

Was man uns sagte, ist, dass Ingrid von 200 Personen bewacht wird. Die Leute, die ihr am nächsten sind, sind FARC-Kämpfer, die von ihrem revolutionären Kampf überzeugt sind. Das macht es unmöglich, diese Leute davon zu überzeugen, sie freizulassen.