"Das ist echt total unspektakulär abgelaufen", beschreibt die Journalistikstudentin Carolin Stein (Name geändert), wie sie zu ihrem Studienplatz gekommen ist. Sie wurde von der Universität Hamburg aufgrund des NCs abgelehnt und griff deshalb zu einer mittlerweile gängigen Methode: Sie klagte sich ihren Studienplatz ein.

"Bei einer Studienplatzklage wirft der Kläger der Universität vor, dass diese weniger Studenten zugelassen habe, als tatsächlich Plätze vorhanden sind", erklärt Heino Windt, Sozial- und Rechtsberater des AStA Hamburg. "Das Gericht rechnet dann die Kapazitäten in dem betreffenden Fach nach. Findet es noch freie Plätze, werden diese an die Kläger vergeben." Auch er bestätigt, dass eine solche Klage im Grunde keine große Sache sei. Man brauche dafür in den meisten Fällen nicht mal einen Anwalt und kommt in Hamburg schon mit etwa 300 Euro für Prozesskosten aus. Bei Carolin kam es jedoch gar nicht erst soweit: Sie legte nur einen Widerspruch gegen ihren Ablehnungsbescheid von der Hochschule ein. Universität und Gericht einigten sich dann auf einen außergerichtlichen Vergleich und Carolin erhielt ihren Studienplatz. "Bei ein oder zwei Klägern wollen wir wegen des hohen Aufwandes keinen Prozess führen", erläutert der Vizepräsident der Universität Hamburg, Holger Fischer.

"Das Gut ‚Studienplatz’ wird knapper"

Trotzdem sind in diesem Jahr insgesamt rund 2500 Anträge, die auf Einklagung eines Studienplatzes abzielten, beim Verwaltungsgericht Hamburg eingegangen. Von ca. 6000 Zulassungen pro Jahr an der Universität Hamburg erfolgen deshalb 30 bis 50 durch eine Klage, schätzt Fischer. Das klingt nicht viel, aber noch vor ein paar Jahren waren es bedeutend weniger. "Die Zahl der Prozesse hat zugenommen, weil wir in Hamburg nun einen flächendeckenden Numerus Clausus haben", erklärt der Vizepräsident. "Auch deutschlandweit wird der NC ausgeweitet und durch Sparmaßnahmen werden die Kapazitäten zunehmend verringert. Damit wird das Gut ‚Studienplatz’ knapper."

Dass Studierwillige mittlerweile alle ihre Möglichkeiten ausnutzen wollen, um an einen Studienplatz zu kommen, weiß auch der AStA Hamburg. Zweimal im Jahr organisiert er deshalb Infoveranstaltungen zur Studienplatzklage. Außerdem bietet er eine Broschüre mit Anleitung zur Klage und direkte Ansprechpartner. Heino Windt sieht in diesem Service einen doppelten Sinn: "Zum einen geht es dabei um den Zugang zu Bildung. Kinder, die diesen schon während der Schulzeit nicht haben, bekommen oftmals keine gute Abiturnote. Trotz des NCs gibt ihnen die Studienplatzklage deshalb die Chance, eine höhere Ausbildung zu erhalten."