„Drei, zwei, eins, null!“ In der Bonner Universität wird der Countdown bis zum Beginn der Vorlesung nicht gezählt, sondern geschrieen. Wo normalerweise eher müde Studenten das Ende einer Veranstaltung herbeisehnen, sitzen heute 450 Kinder, die kaum erwarten können, dass es losgeht. Als Michael Kavšek vom Institut für Psychologie um 17.15 Uhr mit seinem Vortrag über das Denkvermögen von Babys beginnt, ist Schluss mit Zappeln und Lachen. Merira und Caroline rutschen auf ihren Klappsitzen erwartungsvoll nach vorne. „Wir waren schon öfter hier“, sagt Caroline. „Und langweilig war’s nie“, ergänzt Merira.

Im Sommersemester 2003 öffnete die Bonner Universität zum ersten Mal ihre Türen für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren. Seitdem ist der Hörsaal meistens voll, wenn Professoren und Dozenten sechs Mal pro Semester Vorlesungen für Kinder halten. Auf die Sache mit der Universität für Kinder waren vor vier Jahren zwei Redakteure des Tübinger Tagblatts gekommen: Ulla Scheuernagel und Ulrich Janßen. Scheuernagel, selbst Mutter zweier Kinder, erklärt den Ursprung der Idee: „Kinder stellen viele Fragen, die man als Mutter nicht immer beantworten kann.“ Was lag also näher, als die vielen klugen Professoren und die vielen neugierigen Kinder der Stadt zusammen zu bringen. Die Universität war schnell überzeugt und im Sommersemester 2002 füllten insgesamt 5000 kleine Tübinger die Hörsäle der ersten Kinderuni Deutschlands. Mehr als 60 Kinderunis sind mittlerweile in ganz Deutschland entstanden. Dozenten erklären in Flensburg, wie Ebbe und Flut entstehen, erzählen in Leipzig, womit Kinder im alten Griechenland spielten, oder gehen in Ravensburg der Frage nach, warum Fußballhersteller gut in Mathematik sein müssen.

„Wir wollen auch die Schwellenängste von Kindern abbauen, die aus bildungsfernen Schichten kommen“, sagt Andrea Grugel, die in Bonn für die kleinen Studenten zuständig ist. Ob das funktioniert, kann Grugel allerdings nicht sagen. „Wir wissen nicht, welchen familiären Hintergrund die Kinder haben.“ In Bonn werben Plakate und Zeitungsartikel für die Vorlesungen, die kostenlos sind. „Natürlich ist die Kinderuni auch eine gute Reklame für uns“, sagt Andrea Grugel.