„Jeder Hintern hat ein gutes Recht darauf, sich seinen Platz selbst zu suchen. Auch hinterm Ofen. Ihn hochzukriegen, ist aber weniger langweilig.“ So lautet einer von „10 guten Gründen“ bei amnesty international mitzuarbeiten, die man im Internet auf der Jugendseite der Menschenrechtsorganisation ( www.amnesty-jugend.de ) nachlesen kann. Als Melanie Laaser 16 Jahre alt war, wollte sie ihren Hintern hochkriegen. „Auslöser war bei mir die Schule. Ich hatte einen schlechten Jahrgang, in dem Ausländerfeindlichkeit groß geschrieben war. Ständig gab es Zoff, und ich war immer eine von denen, die dazwischen gegangen ist, wenn ausländische Mitschüler in meiner Klasse angegriffen wurden.“

Irgendwann hatte sie den Drang, ihre hilflose Wut noch stärker zu kanalisieren, umzuwandeln in eine positive Energie, von der auch andere Opfer profitieren sollten. Irgendwann hatte sie den Drang – nein, nicht die Welt zu retten. „Ich kann nur nicht einfach hinsehen und nichts tun! Und dann ist es auch egal, ob es in Deutschland ist oder in irgendeinem anderen Land.“ Sie wollte aktiv werden und zwar möglichst konstruktiv: „Durch eine Freundin, eine Aktivistin, lernte ich amnesty international kennen - sie hat mich angesteckt mit ihrem Enthusiasmus“: Für eine Organisation, die sich seit mehr als 40 Jahren für die Menschenrechte in der Welt stark macht. Amnesty hat bundesweit 87 Jugendgruppen. „In Wilhelmshaven gab es eine solche Jugendgruppe nicht – also habe ich kurzerhand eine gegründet“, erzählt Melanie.

„amnesty? Was’n das für `ne Sekte?“

Sie erinnert sich daran, wie mühsam es war, motivierte Leuten zusammenzutrommeln. „,amnesty? Was’n das für `ne Sekte?’ – jeder zweite in Wilhelmshaven hat mich das gefragt“, sagt Melanie. Umso herausgeforderter fühlte sie sich, die Arbeit der Organisation publik zu machen, die sich seit 1961 weltweit gegen schwer wiegende Verletzungen der Rechte auf Meinungsfreiheit und Freiheit, gegen Diskriminierung und für den Frieden engagiert. Sich etwa einsetzt für politisch Gefangene in Ländern, in denen die Todesstrafe gilt, Druck macht auf die dortigen Regierungen, ebenso sanft, wie nachhaltig mit Appellen und Unterschriftenlisten. „Ich habe mal eine Unterschriftenaktion mit Jugendlichen durchgeführt“, erzählt Melanie: „Es ging um einen Amerikaner, der Fahnenflucht begangen hat; er hatte den Kriegsdienst im Irak verweigert, weil er erleben musste, wie Soldaten Zivilisten foltern. Daraufhin wurde er ohne Kontakt zur Außenwelt inhaftiert. Wir haben um einen fairen Prozess und eine Freilassung gebeten – nach drei Monaten kam er frei.“ Warum sollte man so etwas tun als junger Mensch? Melanie hebt lächelnd die Schultern, „weil es sich gut anfühlt?“

Seit vier Jahren hat sie diese Einstellung verinnerlicht und würde sie gerne weitergeben an Jugendliche, „denn ein erfolgreich durchgestandener Kampf für andere ist auch ein persönliches Erfolgserlebnis – das gibt Selbstbewusstsein!“ Das Feedback junger Leute sei auch gerade in letzter Zeit positiver gewesen, freut sich die heute 20-jährige Aktivistin, die nach dem Abi eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau begonnen hat. Damit das Interesse junger Leute so rege bleibt, die Wachheit sich noch weiter steigert, versucht die Menschenrechtsorganisation mit ständigen Aktionen auf sich aufmerksam zu machen. Das nächste Mal zum Beispiel am 17. und 18. März in Duisburg, im Rahmen von „respect our future“, einer alternativen Jugendmesse der Aktion Mensch . Auf über 6000 Quadratmetern wird sich im Duisburger „Landschaftspark“ alles um Politik, Gesellschaft, Tanz, Mode, Sport, Medien, Beruf, Ausbildung, Literatur und Kreativität drehen, jugendgerecht aufbereitet mit lebendigen Workshops und Live-Acts, u.a. mit der Band „Revolverheld“. Mit Infoständen und Aktionen etwa von Greenpeace , der Naturschutzjugend Deutschland – und eben auch amnesty international . „Wir planen zum Beispiel eine Fotoaktion gegen den unkontrollierten Waffenhandel’“, erzählt Melanie. Die Aktion soll unter anderem „einmal mehr ins Bewusstsein rücken, dass Deutschland einer der größten Rüstungsexporteure in der Europäischen Union ist, viele Jugendliche wissen das gar nicht“.