„Wir sind noch lange nicht am Ende / der Weg, der ist noch lang / Sind noch lange nicht am Ziel / und die Reise fängt erst an.“ Klingt auf den ersten Blick wie ein Abimotto, dieser erfrischende Zweckoptimismus, diese latente Naivität. In der Tat sind die Zeilen aus dem Song „Lange nicht am Ende“ der sechsköpfigen Ska-Punk-Formation Scruffyheads irgendwie symptomatisch. Sieben Jahre gibt es die Formation nun schon. Wo andere Bands in der Regel an der Fünf-Jahres-Hürde scheitern, weil die Rhythmusfraktion zum Auslandsstudium in die südliche Hemisphäre abwandert, haben die Scruffyheads irgendwie überlebt. Vielleicht, weil man sich ein kleines Stück Abifeiermentalität bewahrt hat: Die Welt steht uns offen, anything goes. „Wir sind mittlerweile eine Art Familie geworden“, sagen sie und es klingt wie: Die Mannschaft ist endlich ein Team geworden. „Und genau diese wachsende Erfahrung bildet mit der angesprochenen Grundnaivität die Voraussetzung dafür, dass es nach sieben Jahren immer noch und vielleicht sogar mehr Spaß denn je macht.“

Angefangen hat alles im tiefsten Sauerland, wo die Gigs im Jugendzentrum alle paar Monate zunächst einzelne Highlights blieben. Dann kam natürlich auch bei ihnen, was kommen musste: Studium in bestenfalls einer der nahegelegenen Großstädte, Umbesetzungen – Sänger Simon, der zudem wechselweise Gitarre und Bass bedient, zog es letztlich gar in die Schweiz. Seitdem lebt er in einer glücklichen Fernbeziehung mit dem Rest der Band. Bringt das nicht logistische Probleme mit sich, wo sich sonst doch bei so ziemlich jeder Band darum gestritten wird, wer zur Probe fährt? „Klar“, entgegnet Simon. „Aber wo ein Wille ist, ist ja bekanntlich auch ein Weg. Wir spielen zwar derzeit ein paar Gigs weniger, aber das wird früher oder später wieder aufgeholt. Und wer probt, kann eh nix.“ Simon, Mucki, Fuma, Domi, Chris und Thorsten sind dann eben wirklich das erwähnte eingespielte Team. „Don't mess with the Heads“ prangt auf ihrer Homepage, „Gotta roll with the Punches“ heißt ihr aktuelles Album. Durchhalteparolen? Wohl eher ein dezenter Hinweis darauf, das immer alles möglich ist.

Erlaubt ist, was gefällt. Ska, Punk, Reggae, Pauken und Trompeten. Eine unbekümmerte Tanzmusik. Dazu Texte auf Deutsch und Englisch. Wo viele Köche den Einheitsbrei verderben, bleiben die Sechs geschmackssicher, festlegen will man sich bewusst nicht. „Warum sollten wir? Es gibt Sachen, die auf Englisch tausendmal besser klingen als auf Deutsch. Andererseits ist Deutsch zumindest in nüchternem Zustand unsere Muttersprache“, erklärt Mucki. „Außerdem finden wir es mehr als legitim, in unserer heutigen polyphonen und polygamen Gesellschaft als polyglotte Sängerknaben aufzutreten.“ In London haben sie schon gespielt, sind durch ganz Deutschland getourt. Ihre Musik läuft im Hard Rock Café in Peru und im US-College-Radio. An guten Tagen, freilich nicht immer. Sie erzählen Geschichten von dicken Partys, miesen Jugendherbergen, nassen Proberäumen. „Wir wollen weitermachen, besser werden, dieses Jahr ein fettes neues Album aufs Parkett zaubern und uns dann – nach dem Major-Deal – mit Koks und Nutten in den Süden verabschieden. Allerdings spielen wir höchstwahrscheinlich vorher noch ein paar Konzerte in kleinen Jugendzentren“, sagt Simon augenzwinkernd. Sie sind noch lange nicht am Ende.

Homepage: www.scruffyheads.com