„Es reicht mit Berlusconi“ verspricht mir der Barmann. Er räumt meinen Café weg, noch bevor ich ihn ausgetrunken habe. „Nach fünf Jahren ist es mit unserer Geduld vorbei“.

Seit 2001 ist Silvio Berlusconi, il cavaliere , nun schon Präsident des Ministerrates. Er ist eine neue Figur in der italienischen Politik, die sich seit der Gründung der „Zweiten Republik“ im Jahr 1993 etabliert hat. Vorher war Italien klar zwischen dem christdemokratischen und dem kommunistischen Lager aufgeteilt, eine politische Mitte fehlte. „Wer Berlusconi verstehen will, der muss das Phänomen kennen“, meint ein Politologe der Universität Bologna. „Es ist relativ neu in der italienischen Politik. Und es gibt genügend andere, die es genauso machen würden wie er.“

Andrea ist 25, studiert Kinowissenschaften, sein Onkel sitzt im Parlament in Rom. Er findet Italien in vielen Bereichen rückständig. Geht’s um Politik, wird er leidenschaftlich: „Die Menschen respektieren sich gegenseitig nicht, sie respektieren den Staat nicht.“ Wieso kann man sich in diesem Land, in dem über 30 Parteien zur Wahl antreten, auf so wenig einigen? „Es gibt einfach nicht ‚ein’ Italien. Jeder kleinste Fleck hat seine eigene Kultur, seine eigene Identität. Und die Polemik verhindert, dass man sich näher kommt. Berlusconi ist das beste Beispiel.“