Am Wahlwochenende, an dem italienische Bürger endlich gesetzlich garantierte Ruhe haben, veröffentlichte die gazetta dello sport noch eine großseitige Werbung, die den Erfolg eines gewissen Herrn Silvio B. als Präsident des AC Mailand pries. Das hat gewiss nichts mit Politik zu tun, schon gar nicht in Italien, erfahren wir wenig später in den Nachrichten eines privaten Fernsehkanals des Herrn B. Und am Freitagabend davor verabschiedete der Mann noch die jubelnde Menge in Neapel vor strahlendem Blau. Seine Botschaft: Wir sind die Partei der Liebe und der Freiheit; die Anderen, die sind der Hass und die Selbstgeißelung.

Wer hat hier eigentlich gewonnen?

„Der Frühling ist da“, verkündete Prodi. Die Menge schreit auf und tanzt am Bologneser Piazza Verdi, nachdem der Vorsprung der Unione vorgelesen wird, immer wieder aufs neue. Es ist Nachmittag, Meinungsumfragen sehen Prodi weit vorne. „Bar-lusconi“ verkauft billiges Bier der Marke „Arschloch“, der Boden ist gepflastert mit roten Sternen, lauter fröhliche Gesichter jammen zu Bob Marleys Klängen. Mittendrin schallt es aus dem Lautsprecher, dass es knapp wird im Senat. Plötzlich ist es still, für ein paar Minuten. Irgendwer wirft ein: „Hey, wir haben doch trotzdem gewonnen!“. Und die Party geht weiter. Sogar die Straßenpunks, die in der ersten Reihe tanzen, fühlen sich diesmal als Gewinner. Noch.

Spätabends kommt die Ernüchterung. Das Meinungsforschungsinstitut gesteht Fehler ein, plötzlich liegt das Rechtsbündnis in beiden Kammern vorne. Das ganze Land sitzt vor dem Fernseher, auf einmal ist es völlig unklar, wer die Wahl gewinnt. Die vorerst so reservierten Gesichter auf den Berlusconikanälen strahlen wieder. „Ich wandere hier aus. So ein Scheißland. Wieso wählen diese Deppen schon wieder Berlusconi?“ Elisa kann es nicht fassen. Ihr Vater ist der führende Sozialdemokrat in Modena, er hat fünf Prozentpunkte an die Rechten verloren. „Modena, das Herz der Linken! Den Menschen ist nicht zu helfen.“

Zuletzt lacht die Linke