In die Integrationsdebatte mischte sich kürzlich ein weiteres gewichtiges Mitglied des nationalen Widerstandes ein: CSU-Generalsekretär Markus Söder. Er will eine Debatte über „Patriotismus und deutsche Leitkultur“ anstoßen und wird in der Süddeutschen Zeitung mit folgender Aussage zitiert: „Es sollen nur die zu uns kommen, die uns nutzen und nicht die, denen wir nutzen.“ Da stellt sich offenkundig die Frage: Nutzen uns die, die überhaupt schon da sind?

Keine einfache Frage, nennt doch ein ziemlich unansehnlicher Haufen Deutschland sein zu Hause: rumgammelnde Arbeitslose, Sozialschmarotzer aller Coleur, linke Revoluzzer, bettelnde Junkies, herumlungernde Rentner und - nicht zu vergessen - diese Ausländer, in gewissen Kreisen schlicht „Pack“ genannt.

Die in der Medienarena präsentesten Nichtsnutze - Menschen, die es ohne Qualifikation auf die Titelseite der BILD schaffen, also die Feldbuschs, Elverse und Dihddas - nein, Bohlen kann keine Lieder schreiben - haben eine gute Ausrede: Sie haben einen marktwirtschaftlichen Nutzen, auch wenn der sich nur im Verkauf der Boulevardpresse, schlechter Platten und Werbung in den entsprechenden RTL-Programmen niederschlägt.

Aber glänzen nicht auch die Herren und Damen Politiker ständig vom BILD-Titel? Was nutzen sie uns eigentlich, diese notorischen Vielverdiener? Und, kommen wir zum Kern, denn wer fragt, muss sich auch selbst fragen lassen: Worin liegt unser Nutzen von Markus Söder? Nun, zunächst einmal sorgt er für Ordnung in einer zwar eigentümlichen Partei, die aber immerhin ein ganzes Bundesland (und was für eines!) regiert. Das ist legitim.

Legitim sind auch andere von Söders Forderungen, nämlich die Streichung von EU-Fördergeldern für die verwahrlosten Ostrepubliken, ein Handyverbot an Schulen, die Förderung von Atomkraft und sein Gemecker über die Wertelosigkeit der „atheistischen 68er“. Na, und sagen dürfen, dass nicht alle Migranten gewünschte Einwohner sind, manche sich sogar ausgesprochen daneben benehmen und deshalb am besten gar nicht erst kommen sollten, wird man ja wohl auch noch. Zumindest im Freistaat, da wird man für solche Sätze sogar gewählt.

Vielleicht ist damit auch der Nutzen gemeint, auf den Söder anspricht: Es geht gar nicht um den Nutzengewinn der Deutschen, sondern mit „uns“ ist die Partei, die CSU gemeint. Und die hat bestimmt keinen Nutzen an Ausländern, die nicht national genug denken, um sie zu wählen.