Als im März 1999 Flugzeuge der NATO begannen, Bomben auf Serbien zu werfen, verfolgten die Angreifer ein Ziel: Die Vertreibung und Vernichtung der Kosovo-Albaner durch serbische Truppen zu beenden. Mit dem Verweis auf einen drohenden Völkermord rechtfertigte die NATO, dass der Einsatzes ohne UN-Mandat stattfand. David Edwards und David Cromwell widersprechen der NATO in ihrem Buch Guardians of Power – The Myth of the Liberal Media . Sie glauben nicht, dass die Serben systematisch Kosovo-Albaner vertrieben, sondern dass sich die Maßnahmen vor allem gegen Kämpfer der UÇK richteten. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Flüchtlinge nicht vor, sondern erst nach Beginn der NATO-Angriffe rasant zunahm. Edwards und Cromwell zitieren unter anderem einen Bericht des deutschen Außenministeriums vom Februar 1999, dass die Bedrohung der Kosovo-Albaner abgewendet sei. Die meisten Medien übernahmen aber die NATO-Version.

In Guardians of Power untersuchen die Autoren die Arbeit der (meist britischen) liberalen Medien wie BBC , Guardian und The Independent und werfen ihnen genau das vor: Dass sie in ihrer Berichterstattung den Interessen der Mächtigen dienen. „In diesem Buch führen wir an, dass die unternehmerischen Massenmedien […] ein Propagandasystem für die Interessen der Elite bilden“, erklären sie zu Beginn. Das gilt nicht nur für den Luftangriff der NATO. Als die Waffeninspekteure 1998 den Irak verließen, schrieb der Guardian , dass der Grund dafür die anstehenden Luftangriffe der USA seien. 2002, als sich der Einmarsch in den Irak bereits abzeichnete und die Vereinigten Staaten eine Rechtfertigung für den Einsatz suchten, schrieb der Guardian , der Irak habe die Inspekteure 1998 heraus geworfen. Weitere Beispiele einer in den Augen der Autoren verzerrten Berichterstattung sind Afghanistan, Osttimor und der Klimawandel. Die Berichterstattung der konservativen Medien lassen sie aus. Warum? „Viele engagierte, intelligente Menschen glauben, dass die liberalen Medien ziemlich offen, ehrlich und fair in ihrer Berichterstattung sind. Aber in der Tat spielen diese Medien das Ausmaß von Verbrechen der USA und Großbritanniens gegen die Menschheit herunter“, erläutern sie im Interview. Die liberalen Medien seien auf viele Arten wie ein trojanisches Pferd.

Warum aber handeln die Medien, wie sie handeln? Edwards und Cromwell betonen, dass sie dafür keine Verschwörung verantwortlich machen. „Die Massenmedien handeln, wie man es von jedem Unternehmen erwarten würde: Sie stützen ihre eigenen selbstsüchtigen, profitorientierten Interessen“, erklären sie. Sie lehnen sich dabei an das von Edward Herman und Noam Chomsky in ihrem Buch Manufacturing Consent entwickelte Medienmodell der fünf Filter an, die bestimmen, welche Nachrichten abgedruckt werden. Entscheidend ist: Wer besitzt das Medium? Schadet die Nachricht den Werbekunden? Woher kommt die Nachricht? Richtet sie sich gegen den Feind? Unterstützt sie die herrschende Ideologie (für Cromwell und Edwards ist das der „War on Terror“)? Allerdings untersuchen sie nicht ausreichend, ob die Journalisten zur Anpassung gezwungen werden oder ob die Anpassung unbewusst abläuft. Alex Doherty von UK Watch bemängelt außerdem, dass die ersten beiden Filter auf die BBC nicht zuträfen, weil sie eine staatliche Rundfunkanstalt sei.

Für die Buchrecherchen griffen die beiden Autoren auf ihre Arbeit bei Medialens zurück, ein Media-Watchdog im Internet, den sie seit 2001 leiten. Auf ihrer Homepage verkünden sie: „Unser Ziel ist es, die Bevölkerung zu ermutigen, die Medienmacher, Chefredakteure und Journalisten herauszufordern, die News-Agendas setzen, die traditionell die Interessen der Elite reflektieren.“

Herzstück sind die Media Alerts , längere Texte, in denen sie regelmäßig konkrete Missstände in der Berichterstattung liberaler britischer Medien aufgreifen. Im aktuellen Media Alert beklagen sie die comichafte Darstellung des venezuelanischen Staatspräsidenten Hugo Chávez in den Medien, der zu Unrecht als Feind der Demokratie dargestellt werde. In vielen Alerts dokumentieren sie Diskussionen per E-Mail mit den kritisierten Journalisten, die häufig abschätzig antworten. „Wir achten immer darauf, keine persönlichen Attacken zu reiten“, sagen Edwards und Cromwell. „Unsere Konzentration liegt darauf, rational die Argumente und Annahmen von Chefredakteuren und Journalisten herauszufordern.“ Dasselbe verlangen sie von ihren Lesern. Am Ende eines jeden Beitrags geben sie die E-Mail-Adressen der kritisierten Journalisten an, weisen aber den Leser darauf hin, höflich und sachlich zu bleiben.