Manchmal würde ich am liebsten einfach wieder gehen. Einfach wieder den Rucksack packen und in den Zug steigen, nach Holland, dorthin, wo der Himmel bis zum Boden reicht. In einem Hafenstädtchen würde ich aussteigen und ein Schiff finden, dessen Skipper noch einen Matrosen braucht. Mich.

Elf Monate war ich Maat. Auf einem Schiff in den Niederlanden, 20,5 Meter lang, 21,5 Meter hoch, ein Mast, drei Segel, kein Kiel. Ein Plattboden-Schiff, 60-Tonnen-Stahl von 1892. Zehntausende gab es früher davon, heute sind es noch rund 500. Früher verschifften die platten Segler Holz, Kies oder Mist. Heute verschiffen sie Touristen. Was genau ein Maat auf so einem Schiff macht, wusste ich nicht. Überhaupt wusste ich am Anfang gar nichts, konnte am Schiff gerade vorne und hinten unterscheiden und Niederländisch konnte ich auch nicht.

Vom Kegelclub zur Segelcrew

Freitagabend steht unsere Fracht am Kai von Stavoren. Die Fracht, das sind 16 Touristen und Unmengen an Gepäck. Wie immer erklärt Skipper Michiel geduldig, wie der Strom aufs Schiff kommt und das Wasser aus dem Hahn und wie man die Schiffstoilette leer pumpt. Danach breitet Michiel die Seekarten aus und die Gruppe legt ihr Reiseziel fest. Das letzte Wort behält der Skipper. Oder der Wind.

Am nächsten Morgen: Einweisung ins große Segelganze. Jeder Maat muss sich seine aktuelle Kegel-, Ruder-, Frauen-, Jugend-, Pfadfinder- oder Rentnergruppe erst mal erziehen. Muss erklären, wo man auf keinen Fall seine Finger reinstecken darf, wo man wann ziehen muss und wie man ein Tau richtig festmacht. Mit ein paar Kreidestrichen male ich unser Schiff aufs Deck und die wichtigsten Begriffe daneben. Bis es regnet, müssen das alle wissen.