Wichtig ist das Lächeln. Dieses Lächeln im staubbedeckten, mückenzerstochenen, sonnenverbrannten Gesicht, das niemand deuten kann, der nicht selbst dort war. Ohne dieses Lächeln funktioniert es nicht. Ohne ist dieses Festival eines wie hundert andere in jedem Sommer. Ohne sind die Bands nur Menschen, die für Geld ihren Job auf einer Bühne verrichten. Dann sind all die lobpreisenden Worte Ergebnis cleverer Öffentlichkeitsarbeit und nicht einer zutiefst empfunden Zufriedenheit, die sehr wohl auf Fakten beruht, aber zu guten 4/5 Überzeugung sein muss. Leidenschaftliche Verklärung ist eines der Geheimnisse des Immergut-Festivals in Neustrelitz.

Am Anfang war die Milch. Auf einem Tisch, an dem Neustrelitzer Jugendliche saßen. Etwas mit Musik sollte passieren in dem kleinen Ort in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Festival sollte her, "Schwof" sollte es heißen. Aber dann stand dort diese Flasche Immergut-Milch.

Im Jahr 2000 war es das erste Mal soweit. Der neugegründete "immergutrocken" e.V. hatte Unterstützung gesucht und sie bei VIVA2 gefunden. Der Musiksender stellte ein Team für das Fußballturnier und drehte einen kleinen Bericht über die damals relevanten Bands. Die Sportfreunde Stiller, Readymade. Rocco Clein führte durch das Programm. Eins zum anderen. 1.200 Besucher.

Im zweiten Jahr wieder Readymade, wieder Rocco Clein. Eine gemeinsame, legendäre Elvis-Presley-Imitation auf der Bühne. Und der erste Auftritt von Tomte, über den Frontmann Thees Uhlmann später einmal schreiben sollte: "All die Menschen, all der Krach! An diesem Abend spätestens hatte ich mein Herz für immer an die Musik verloren." 3.500 Besucher.

Beim dritten Immergut ging zum ersten Mal Nervosität um. Alle 4.000 Tickets waren lange vorher verkauft worden. Für Karten wurde bei Ebay das Doppelte des normalen Verkaufspreises geboten. VIVA reiste mit großem Kamerateam an. Hysterische Vorabberichte, aufgepuschte Tocotronicfans. Kemper, eines der Gründungsmitglieder des Vereins, glaubte damals, dass es von hier an bergab gehen würde. "Leute, die noch nie hier waren, hatten uns im Vorfeld gefeiert. Das fand ich gefährlich." Es war das letzte Maiwochenende 2002. Das, an dem Deutschland Saudi-Arabien 8:0 schlug. Und das, an dem Ebbot Lundberg von Soundtrack Of Our Lives von der Bühne sprang. An dem Armin von den Beatsteaks mit seinem Surfbrett auf den Händen der Fans ritt. Jeder bekam seine Himmelsrichtung an diesem Wochenende.