Bolivien verstaatlicht seine Gasreserven, Venezuelas Präsident stichelt gegen die USA. Ganz Südamerika scheint nach links zu driften. Nur in Kolumbien wird der rechte Präsident wohl wieder gewählt. Warum?

Einen durchgängigen Linksruck sehe ich gar nicht. Es ist eher die Rückkehr der starken Persönlichkeiten – oft sind das Populisten – in die südamerikanische Politik. Das ist auch in Kolumbien zu beobachten: Die Parteien spielen keine so wichtige Rolle wie etwa bei uns. Uribe selbst gibt sich bewusst als überparteilich. Er ist zwar kein klassischer Volkstribun – dafür ist er auch zu spröde. Aber er vermittelt den Eindruck, den Parteienstreit zu unterbinden und zu handeln. Seine Wiederwahl verdankt er der gewachsenen Sicherheit im Land, vor allem der gefühlten Sicherheit. Sie können jetzt wieder ohne Angst vor Überfällen mit dem Auto von einer Stadt in eine andere fahren – für Kolumbien ein wahrer Fortschritt.

Es reicht also für Uribe, den Hardliner zu geben, um Erfolg zu haben?

Er hat das Image „der harten Hand“, das stimmt. Aber die Sicherheit ist nun einmal das wichtigste Thema in Kolumbien. Er demonstriert mit seinem Programm, das er „demokratische Sicherheit“ nennt, die Handlungsfähigkeit der Regierung und des Staates. Das war in Kolumbien nicht immer selbstverständlich. Das Grundproblem in Kolumbien war und ist: die Regierung übt nicht die vollständige Kontrolle über das Territorium aus. Präsenz zu zeigen ist oft nur mithilfe des Militärs möglich. Fast ein Drittel des Landes wird von Guerillagruppen beherrscht. Dort etablieren sich autonome Mächte wie Drogenbarone, die die Bevölkerung terrorisieren.

Kolumbien ist immer noch das Land mit den meisten Entführungen weltweit.

Allerdings ist die Zahl der Entführungen in der Amtszeit Uribes um die Hälfte zurückgegangen. Auch die Zahl der terroristischen Anschläge ging zurück. Um das zu erreichen, wurden Zehntausende neue Soldaten und Polizisten rekrutiert.