Draußen BILD

Luiz Rossi sitzt mit seiner Frau Maria José an einem Tisch in der Berliner amnesty international Zentrale. Weil er nur portugiesisch spricht, ist Dr. Bartelt, der Pressesprecher von amnesty Berlin, zum Übersetzen dabei. Vor mir waren schon einige Journalisten da. Wir haben wenig Zeit, Herr Rossi muss gleich weiter zum Radio. Er soll über Folter erzählen.

Vor 33 Jahren haben brasilianische Militärpolizisten sein Haus gestürmt und ihn festgenommen. Amnesty bekam über Umwege davon zu hören und startete die erste Urgent Action. Weltweit riefen sie dazu auf, in Briefen gegen die Verhaftung von Herrn Rossi zu demonstrieren. Der öffentliche Druck wurde so groß, dass er nach acht Monaten Haft frei kam.

Das ist die Geschichte. Aber was passierte im Gefängnis? Wie fühlt man sich da? Auf vorsichtige Fragen reagiert Herr Rossi mit sachliche Antworten, die meist mit der Feststellung enden, „dass man sich das nicht vorstellen kann, weil Worte nicht reichen, um es zu beschreiben“. Während er redet, schaut er mir die ganze Zeit in die Augen. Seine Frau nickt. Ich verstehe nichts, von dem was er sagt, es fühlt sich nur unangenehm an. Beklemmend. Der Pressesprecher fasst auf Deutsch zusammen. Aber die Übersetzung und die Art, wie er mich anspricht, passen nicht zueinander.

Nach einer halben Stunde müssen Herr Rossi und seine Frau zum nächsten Termin. Dr. Bartelt bittet um einen Mitschnitt des Interviews, es sei das persönlichste, was er bis jetzt von Herrn Rossi gehört habe.

Als ich später die Reinschrift des Gespräches durchlese, bin ich enttäuscht. Herr Rossi hat Recht: Worte reichen nicht, um das zu fassen.

Drinnen