Nach wochenlanger Kälte und Dauerregen steigt die Temperatur in Deutschland in der Nacht zum Pfingstmontag auf 38 Grad. Die Biergärten melden Rekordbesucherzahlen. Ein geheimes Treffen im Bundeskanzleramt bleibt unbemerkt.Auf einer überraschend einberufenen Pressekonferenz am Dienstag teilt Bundeskanzlerin Angela Merkel mit, der als Problembär bekannt gewordene "JJ1" sei in der Nähe des Münchner WM-Stadions gefasst und unter Quarantäne gestellt worden. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble betont, das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am Freitag sei unter keinen Umständen gefährdet. Protestierende Tierschützer in München werden von Bundeswehrtruppen zurückgedrängt.Der bayerische Landwirt Sepp Kleingschwendtner berichtet auf dem Nachrichtensender N 24, eines seiner Hühner sei an der Vogelgrippe verendet. Brisant dabei: Problembär "JJ1" war vor zwei Wochen in Kleingschwendtners Stall eingedrungen und hatte dort Hühner gerissen.Kanzlerin Merkel erklärt im Gespräch mit Ulrich Wickert, die Situation sei absolut unter Kontrolle. Der Bär werde von Gesundheitsexperten auf das H5N1-Virus getestet. Bundesinnenminister Schäuble betont, das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am Freitag sei unter keinen Umständen gefährdet. Bundeswehrsoldaten bilden einen Bannkreis von 1 km um das Münchner WM-Stadion. Der Einsatz von Abfangjägern wird in der großen Koalition heftig diskutiert.Nachdem Kanzlerin Merkel am Mittwoch die Weltgesundheitsbehörde WHO eingeschaltet hat, kommen erste besorgte Reaktionen aus dem Ausland. Ein Sprecher des Weißen Hauses teilt mit, man habe keinen Zweifel daran, dass US-Bürger bei den "deutschen Freunden" in Sicherheit seien. US-Biowaffenexperten und Mitglieder des Geheimdienstes CIA fliegen nach München. Bundesinnenminister Schäuble betont, das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am Freitag sei unter keinen Umständen gefährdet. Gerüchte, wonach der "JJ1" positiv auf den Vogelgrippe-Virus getestet worden sei, können nicht bestätigt werden.Am Donnerstag evakuieren US-Truppen in Absprache mit Kanzlerin Merkel den gesamten Münchner Norden in einem Umkreis von 20 km um das WM-Stadion. Bundesinnenminister Schäuble bezeichnet diese Maßnahme als vollkommen überzogen und löst mit seiner Bemerkung "Die Amerikaner sollen wegen dem bisschen Grippe mal nicht so verschnupft tun" eine hitzige Debatte über den Stand der transatlantischen Beziehungen aus.Am Nachmittag berufen Bundeskanzlerin Merkel und Fifa-Chef Sepp Blatter eine Pressekonferenz ein. Merkel verkündet, zum Schutz der Bevölkerung werde der Start der Fußball-Weltmeisterschaft "verschoben". Auf die Frage, ob das Eröffnungsspiel nicht in eine andere Stadt verlegt werden könne, meint Blatter, die Sponsorenverträge ließen dafür keinerlei Spielraum übrig. In einer Sonderausgabe appelliert die "Bild"-Zeitung an das Vorstandsmitglied des russischen Energiekonzerns Gazprom, Altkanzler Gerhard Schröder: "Merkel lässt die WM sterben! Kanzler, tu was!"Am Freitag geben Vize-Kanzler Franz Müntefering, Innenminister Wolfgang Schäuble und der Chef des WM-Organisationskomitees, Franz Beckenbauer, Entwarnung. Tests hätten ergeben, dass "JJ1" nicht infiziert sei. Eine Gefahr habe ohnehin nie bestanden, berichtet Schäuble. Routinemäßige Abhörmaßnahmen des Bundesnachrichtendienstes hätten ergeben, dass Bundestrainer Jürgen Klinsmann Bauer Kleingschwendtner dazu überredet habe, das Vogelgrippe-Gerücht in die Welt zu setzen. Der entscheidende Hinweis sei von Ex-Kanzler Schröder gekommen - ein Beamte des mittleren Dienstes hatte die Abhörprotokolle versehentlich weiter an den Ex-Kanzler geschickt.Über die Motivation des Bundestrainers herrscht Unklarheit. Sportpsychologen mutmaßen, Klinsmann habe seine Elf durch die Vorspiegelung einer WM-Absage zusätzlich motivieren wollen. Der Bundestrainer ist für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.Kanzlerin Merkel erklärt völlig überraschend ihren Rücktritt. Vize-Kanzler Müntefering übernimmt kommissarisch die Regierungsgeschäfte. Innenminister Schäuble betont, die Regierungskrise werde die Eröffnung der Fußball-WM unter keinen Umständen gefährden. Auf Druck der verärgerten WM-Sponsoren muss Fifa-Chef Blatter seinen Hut nehmen.Um 18.00 Uhr eröffnen Bundespräsident Horst Köhler und Vize-Kanzler Müntefering die Fußball-Weltmeisterschaft in München. Dabei kündigt Müntefering den Mann an, "ohne den das hier nicht möglich gewesen wäre". Altkanzler Schröder marschiert auf den Rasen, gefolgt von der deutschen Nationalelf. Gemeinsam stimmen alle den Frank-Sinatra-Song "My Way" an. Top-Model Heidi Klum verteilt Taschentücher an die weinenden Spieler und den Altkanzler. Im anschließenden Spiel gegen Costa Rica siegt Deutschland mit 14:1. Den einzigen Gegentreffer in der 2. Spielminute entschuldigt Torhüter Jens Lehmann anschließend mit den Worten, er habe "noch etwas im Auge gehabt".US-Präsident Bush schickt am Samstag ein Telegramm an Schröder, in dem er die guten transatlantischen Beziehungen hervorhebt.Auf die Frage, ob er es denn "nicht noch mal als Kanzler machen wolle", erklärt Schröder am Sonntag, ihm sei bereits der Posten als Fifa-Präsident angeboten worden. In dieser Position könne er "noch was bewegen". Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber erklärt, er sei noch "gut beinander" und würde sich der Verantwortung nicht entziehen. Aber keiner fragt ihn.

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