Beim Anblick der Kachelwand war es vorbei, dabei hatte ich mir fest vorgenommen, nicht zu weinen. Die Deckenlampe mit dem Neonlicht, der Tisch in der Mitte des Raumes, die ganze scharfe, kantige Nüchternheit dieses Behandlungszimmers: Da konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten. Denn hier war Endstation für meinen Hamster.

Ich habe Schuldgefühle. Vor drei Jahren musste mein Hamster George, eingeschläfert werden, weil er am Bauch einen Tumor bekam, und dieser Tumor, davon bin ich überzeugt, war nur aus einem einzigen Grund bei ihm auf eine tödliche Größe gewachsen: Ich habe zuviel gefeiert. Ich habe meine Pflichten als Hamstermama vernachlässigt.

Normalerweise habe ich meinen Hamster mindestens ein bis zwei Stunden laufen lassen, immer abends, wenn er wach geworden war habe ich George hochgehoben, ihn auf den Rücken gedreht, Reste von Späne aus seinem Bauchfell gezupft, und ihn auf den Teppich gesetzt. Ich sah zu, wie er losdüste. Unser tägliches Ritual.

Atemlos. Fassungslos. Starr.

Aber dann kam diese eine Woche im Mai 2003, als plötzlich alle auf einmal Geburtstag hatten. Ich und noch drei weitere Freunde und alles an vier Tagen hintereinander. Erst habe ich selbst gefeiert - und des Hamsters Spaziergang musste entfallen. Dann haben die anderen gefeiert – und des Hamsters Spaziergang musste entfallen. Vier Abende hintereinander habe ich ihn durchs Gitter in die Dunkelheit schnuppern lassen, vergeblich auf Suche nach seinem Frauchen. Am fünften Abend schlich ich mich schuldbewusst zum Käfig.