Meine philippinischen Arbeitskollegen beneiden mich darum, dass ich Deutsche bin. Was sie nicht verstehen können, ist meine Bescheidenheit, dieses ständige Relativieren, Deutschland sei gar nicht so toll und daß wir auch eine Menge Probleme hätten.

Warum ich denn nicht stolz auf den Wohlstand, die Lebensqualität und die Sicherheit sei? "Wir sind doch auch stolz auf unser Land", sagen sie dann. Obwohl es den Philippinen schlecht geht, sind die Filippinos stolz - sehr stolz. Obwohl ihre Heimat korrupt ist, arm und verwahrlost.

Ein Filippino wird jede Gelegenheit ergreifen, die Nationalhymne zu singen, aus vollem Hals und mit schwellender Brust. Man mag einwenden: Das macht doch noch keinen Patrioten aus. Schließlich singen die Filippinos auch einfach gern.

Und tatsächlich, egal wen ich frage: Alle beteuern, stolz zu sein. "Natürlich stehen wir zu unserem Land". Doch fragt man die gleichen Filippinos nach ihrem größten Traum, sagen sie unisono: Auswandern. Alle wollen das Land verlassen. Nach Amerika, Australien, irgendwohin, wo man mehr Geld verdienen kann als in den Philippinen, diesem armseligen Land.

Der Filippino und sein Nationalstolz – das ist also eine sehr pragmatische Beziehung. Und neben dem Pragmatismus scheint Ironie die wichtigste Zutat zu sein. Ein philippinischer Freund erzählte mir von den beiden Filippinos, die den Mount Everest bestiegen haben. Jetzt würden sie sich streiten, wer zuerst oben war.