Heute vor 50 Jahren wurde unter der Regierung Konrad Adenauers das Wehrpflichtgesetz beschlossen. Jeder junge Deutsche musste fortan für zunächst 12 Monate, in den 60ern zeitweilig sogar für 18 Monate, dienen - nur wer eine behördliche Gewissensprüfung bestand, durfte verweigern und zum zivilen Ersatzdienst antreten. Unter anderem die Angst vor einer Invasion aus dem Osten war damals ein Grund für die Remilitarisierung und Einführung der allgemeinen Wehrpflicht.

Seitdem hat sich einiges geändert. Die Einsätze der Bundeswehr werden immer spezieller, die Wehrpflichts-Dauer immer kürzer, die Chance eingezogen zu werden immer kleiner. Allein in den letzten fünf Jahren erhöhte sich laut einer Studie der "Zentralstelle Kriegsdienstverweigerung" der Anteil der "Untauglichen" von 12 % auf 36 % aller Gemusterten. Auch Reinhold Robbe, Wehrbeauftragter der Bundesregierung, schreibt in seinem aktuellen Jahresbericht, es sei zu "erwarten, dass künftig etwa ein Drittel eines Geburtsjahrganges wegen unzureichender gesundheitlicher Eignung vom Dienst in den Streitkräften ausgeschlossen werden muss." Ebenfalls nicht eingezogen wird, wer zwei Brüder hat, die bereits einen Dienst abgeleistet haben, wer verheiratet ist oder das Sorgerecht für mindestens ein Kind hat - sowie natürlich wer weiblich ist.

Wehrpflicht: Bäh oder Yeah

Parallel wächst die Kritik an dem Dienst, nicht nur von linken Gruppen und Parteien. Bereits 1995 schrieb der damalige Bundespräsident Roman Herzog (CDU): "Die Wehrpflicht ist ein so tiefer Eingriff in die individuelle Freiheit des jungen Bürgers, dass ihn der demokratische Rechtsstaat nur fordern darf, wenn es die äußere Sicherheit des Staates wirklich gebietet. Sie ist kein allgemeingültiges ewiges Prinzip, sondern sie ist auch abhängig von der konkreten Sicherheitslage."

Wehrpflichtbefürworter betonen dagegen das Konzept des "Staatsbürgers in Uniform". Die Bundeswehr als Querschnitt der Gesellschaft verhindere den "Staat im Staate", den die Truppen mit verheerenden Folgen in der Weimarer Republik darstellten. Folgen übrigens, die den ersten deutschen Kanzler zu einem Zitat verleiteten, das man heute eher auf T-Shirts zotteliger Zivildienstleistenden als in Adenauers Aphorismensammlung erwarten würde: "Ich bin stolz darauf, nie Soldat gewesen zu sein."