Floyd Landis hat die Tour de France gewonnen. Wahrscheinlich war er gedopt. Na und? Haben wir das nicht fast erwartet? Kaum jemand konnte doch glauben, dass Floyd Landis am Abend vor seiner fulminanten Aufholjagd auf der 17. Etappe Bier und Whiskey getrunken haben soll. Im Vorfeld der Tour wurden mit Jan Ullrich, Ivan Basso und Alexander Winokurow drei Favoriten suspendiert. Die ehemaligen Sieger Bjarne Riis und Lance Armstrong stehen unter Dopingverdacht, dem verstorbenen Marco Pantani wurde ein überhöhter Hämatokritwert nachgewiesen. Wieso sollte Floyd Landis eine Ausnahme sein?

Ein Pflaster am Hodensack soll Landis Testosteron zugeführt haben. Das Sexualhormon sorgt für eine schnelle Regeneration der Muskulatur und regt die Blutbildung an. In einer geringen Dosis ist es nicht nachweisbar. Landis hat jedoch zwei Fehler begangen: Er hat sich bei der Dosierung vertan. Und nach einer spektakulären Einzelleistung die Tour gewonnen.

Doping ist wie Cheaten in einem Computerspiel. Man verschafft sich unerlaubt Vorteile, die der Gegenspieler nicht nutzt. Deshalb gilt Doping als unsportlich und unmoralisch. Die Etappe, auf der Landis sein Comeback feierte, war der spannendeste, der aufregendste Moment der Tour de France in den letzten Jahren. Zu wissen, dass Landis dieses Ergebnis nur mit unlauteren Methoden erzielt hat, zerstört diesen außergewöhnlichen Moment.

Wieder werden Konsequenzen gefordert, die der Radsportverband nun ziehen soll. Wie diese aussehen können, zeigte sich schon 1998 nach dem letzten großen Dopingskandal um das Festina-Team. Strengere Dopingkontrollen führten dazu, dass Sportler und Manager noch ausgefeiltere Methoden nutzten, um ihre illegalen Machenschaften zu verschleiern.

Jede Reaktion erzeugt eine Gegenreaktion. Das wird auch weiterhin so sein. Ausgedehnte Kontrollen werden mehr Verdachtsfälle ans Licht bringen, die den angeschlagenen Ruf des Radsports noch weiter belasten. Eine Spirale, die jedes Mal wieder ein offenes Geheimnis bestätigen wird: Doping im Profisport ist die Regel. Die Ausnahme ist, sich dabei erwischen zu lassen. Dopen und vorne mitfahren oder nicht dopen und nicht vorne mitfahren? Das ist die Frage, die jeder Fahrer sich einmal stellen muss.