Unter Argentiniern, die Freude an Absurditäten empfinden, ist der Comicstrip Macanudo des Zeichners Liniers bereits ein Geheimtipp. Die Figuren sind auf kleinem Fuß durch die Tiefschläge und Höhenflüge ihres Daseins unterwegs. Das Mädchen Madariaga schimpft seinen Teddy, den sie unter die Schaukel gelegt hat, weil er ihr beim Schaukeln unter den Rock schaut. Der schüchterne Señor mit dem Banjo ist verzweifelt, weil ihm das Talent fehlt, innerhalb von vier Bildern etwas Lustiges zu tun. Der Roboter Z-25 ist der einzige Zuschauer im Kino, der bei Charlie Chaplins "The Tramp" weint. Mit jedem gelesenen Strip wird der Humor, mit dem Liniers die Plumpheiten des Lebens kommentiert, ansteckender. Auch Europa wurde nun aufmerksam: Macanudo hat den Sprung aus seinem Heimatland in die spanischen Buchhandlungen geschafft.

Die Comic-Szene in Buenos Aires, der Macanudo entspringt, ist seit den Anfängen des Genres in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sehr lebendig. Anders als in Deutschland hatten Comics aus den USA hier keine Probleme, sich als ernstzunehmende Kunstform zu etablieren. Zu den Großen, in deren Fußstapfen Macanudo tritt, gehört die Göre Mafalda des Zeichners Quino, die in den sechziger und siebziger Jahren mit ihrer altklug-pessimistischen Sicht auf die Welt berühmt wurde; Guillermo Mordillo wurde in Deutschland bekannt, als er seine knollnasigen Männchen im Stern veröffentlichte. Maitenas Karikaturen postmoderner Frauen erscheinen inzwischen in über 13 Tageszeitungen verschiedener Länder.

Obwohl viele der Streifen offenbar von den legendären "Peanuts" des Zeichners Charles M. Schulz beeinflusst sind, führen sie mittlerweile ein Eigenleben. Die Protagonisten von Mafalda , Maitena und Macanudo entstammen der bürgerlichen Mittelschicht, die gleichermaßen in Mexico-Stadt wie in Tübingen anzutreffen ist. Dieser Hintergrund unterscheidet die argentinischen Comics von den meisten amerikanischen und europäischen Produktionen. Statt Winner-Typen und smarten Helden wie Superman , Mickey Mouse oder Asterix taucht in Argentinien 1964 ein kleines dickes Mädchen namens Mafalda auf, das, Kind und Frau zugleich, voller Sorge auf die Welt blickt und sie mit rührender Hilflosigkeit zu trösten versucht. Wenn Mafalda nicht gerade zwischen Mitschülern und Eltern für Gerechtigkeit sorgt, wickelt sie den Globus ihres Vaters in eine Decke und wiegt ihn in ihren Armen. 40 Jahre später zeichnet eine Frau namens Maitena in Buenos Aires ihre post-emanzipierten Geschlechtsgenossinnen, die an den eigenen Unzulänglichkeiten verzweifeln. Ähnlich wie Mafaldas Zeichner Quino zielt Maitena auf die typische Mittelstandsfamilie. Die unermüdliche Weltverbessererin Mafalda würde zwar den Kopf schütteln über die Sorgen der Heldinnen Maitenas . Doch hier wie dort bringt die Machtlosigkeit der Hauptfiguren zum Lachen. Wo Mafalda einst in die Apotheke ging, um ein Mittel gegen die Ungerechtigkeit in der Welt zu erstehen, fragen Maitenas Frauen beim Schönheitschirurgen, wo man das Kollagen einspritzt, das die existentielle Leere füllt.