Wie fühlen sich Menschen in einem Land, das mit Bomben übersät wird und in dem sich die humanitäre Situation von Tag zu Tag verschlechtert? Libanesische Blogger schildern den Kriegsalltag.

"Dieser Krieg wurde mir aufgezwungen. Wie alle Kriege allen Zivilisten aufgezwungen sind. Ich will aber nicht eine weitere deprimierende Geschichte in deinem Posteingang sein." ( Zena el-Khalil, Beirut , http://beirutupdate.blogspot.com/ )

"Diese Gleichung hat zwei Seiten. Zwei Völker, durch eine Grenze getrennt, leiden auf ihre eigene Weise. Alles, was wir hier sehen, ist unsere Zerstörung. Alles, was ihr seht, ist eure Zerstörung. Wir müssen zur Vernunft kommen, wir müssen aufeinander hören. Aber nichts davon wird geschehen, wenn beide Seiten weiter unschuldige Zivilisten drangsalieren." ( Tarek, Beirut , http://beirutlive.blogspot.com/ )

"Dieser Krieg handelt von meinem Freund, dessen junge Tochter wegen der schweren Bomben aufwachte, die auf die Fatima-Moschee in Sidon geworfen wurden. Er musste ihr eine Schlaftablette geben, bevor sie aufhören konnte zu zittern und kreidebleich zu sein.
Dieser Krieg handelt von dem Blick auf dem tränenüberströmten Gesicht einer Frau, die mich fragte, wo sie Medizin für ihren Vater bekommen könne. Er hatte Herzprobleme und sie sind so schnell aufgebrochen, dass sie nicht daran gedacht haben, seine Pillen mitzunehmen." ( Rena , http://frombeirutwithlove.blogspot.com/ )

"Liyan, ein sieben Jahre altes Mädchen, öffnet ihre Augen mitten in der Nacht und ruft ihre Mutter, die mit den Erwachsenen auf dem Gehweg sitzt. Liyan sagt: ‚Sende meinen Geschwistern Grüße, falls mir etwas zustößt.’ Dann schließt sie ihre Augen und schläft ein. 22 Kinder und sechs ihrer Eltern sind vorgestern aus Tyre geflohen unter heftigem Beschuss von israelischen Raketen und Bomben. Sie haben auf den Straßen von Hasmieh geschlafen, einem nördlichen Vorort von Beirut, nachdem sie einen ganzen Tag lang durch die Straßen geirrt sind." ( Muzna , http://sanayehreliefcenter.blogspot.com/ )

"Mein Bruder hat uns besucht, um unser neues Familienmitglied (...) willkommenzuheißen. Er ist bei uns geblieben und dankenswerterweise ist seine Firma drüben in England sehr verständnisvoll. Wir versuchen, ihn davon zu überzeugen, zu gehen, aber er will nicht. Obwohl er uns die üblichen Gründe angibt, glaube ich, dass er uns den Eindruck vermitteln will, dass er noch am Leben ist. Er pflegte uns in die Arme zu nehmen und uns zum Lachen zu bringen, wenigstens uns zu einem Lächeln zu bewegen – zwischen den Beschüssen." ( Lazarus , http://lettersapart.blogspot.com/ )

"Bilder von Kindern, die von israelischen Bomben in Stücke gerissen wurden, sind für niemanden zu verarbeiten, der wenigstens ein bisschen menschliches Einfühlungsvermögen hat. Wenn ich eine Sache darüber gelernt habe, was es heißt, bombardiert zu werden, dann ist es nicht so sehr die Furcht, selbst getroffen zu werden (...). Sondern es ist eher das Wissen darum, was diese Explosionen anrichten, darum, dass sie Menschen in Stücke reißen und für diejenigen eine Tragödie bedeuten, die überleben." ( Hardig, Beirut , http://beirutundersiege.blogspot.com )

"Es werden immer noch Straßen getroffen, wodurch der gesamte Süden zu einem unmöglichen Labyrinth geworden ist. Die Verbliebenen setzen sich dem sehr hohen Risiko aus, zu "Kriegsverlusten" zu werden, um Olmerts Worte zu verwenden." ( "Lebanon under attack" , http://lebanonunderattack.wordpress.com/ )

Weiterlesen:

Ich, Studentin, Kriegsflüchtling – Marlene Obst flüchtet aus dem Libanon

Auf beiden Seiten – Schwerpunkt zum Krieg im Libanon