Wir haben verloren, die Bösen haben gewonnen: Zum ersten Mal in der Geschichte kehrt die israelische Armee nicht siegreich heim. Sie hat versagt. Die viel gepriesene Armee, die im säkularisierten Israel als oberste Schutzmacht gesehen wird, muss buckeln. Vor dem internationalen Druck und einem Terrorregime, das uns alle lieber tot als lebendig sähe.

So ist die Stimmung in Israel. Nach fast einem Monat ständiger Anspannung, den ungezählten toten Zivilisten und Soldaten, und all der Zerstörung im Norden bleibt den Menschen hier nur noch Enttäuschung und Wut. Sie fragen sich, warum der so offensichtlich provozierte Militäreinsatz dem Rest der Welt so schlecht vermittelt wurde. Warum die technisch und personell überlegene Armee so schwere Verluste hinnehmen musste, und wie es sein kann, dass Hizbollah nach einem Monat schweren Bombardements immer noch in der Lage ist, Raketen in Wohngebiete zu schiessen – 150 jeden Tag.

Schlimmer noch: Die Raketen werden weiter fliegen. Schon jetzt präsentiert sich Hisbollah als Bezwinger Israels und ermuntert die arabische Welt: Was wir können, könnt ihr doch schon lange! Dieser "Sieg" soll der Beginn des Countdowns zur Lösung des Israel-Problems sein – wir wissen schon, wie das gemeint ist.

Es schmerzt, mit jemandem wie Hisbollah-Chef Nasrallah über die entführten Soldaten verhandeln zu müssen. Es schmerzt, zu wissen, dass dieser Mann jetzt besser dran ist, als zuvor.

Und es macht allen in Israel Angst, dass die Armee trotz der Vorteile, die sie gegenüber dieser kleinen Miliz hat, mit dieser nicht fertig wurde. Dass die Rüstungsmilliarden und all die Lebensjahre, die jeder Israeli der Armee opfert, anscheinend nicht genug sind, um gegen den puren Vernichtungswillen der schlecht ausgebildeten und unterfinanzierten Hizbollah anzukommen.