Frau Ötvös, Sie sind bei "Radio Hamburg" für die Musikauswahl zuständig. Woher wissen Sie, welche Musik Ihre Zielgruppe hören will?

Tanja Ötvös: Wir machen dafür mehrere Umfragen im Jahr, mit mehreren tausend Titeln. Ein Marktforschungsinstitut spielt bestimmten Menschen Musik vor und ich werte das aus. Es wird sehr fein selektiert, um den Massenmusikgeschmack zu spielen. Das machen wir mit ein paar Liedern aus den 80ern, hauptsächlich aber mit den 90ern und den so genannten Recurrents. Recurrents sind Hits, die keine mehr sind – Lieder, die vor einem halben Jahr ständig im Radio liefen, die aber nach einem gewissen Burn rausgenommen wurden, und bei denen wir jetzt gucken, ob sie vielleicht doch eine längere Haltbarkeit haben. Zusätzlich zu diesen großen Tests machen wir regelmäßige Tests mit aktuellen Titeln, allerdings nicht mit tausend, sondern mit vielleicht dreißig Liedern.

Wie häufig finden diese Tests statt?

Tanja Ötvös: Der große zwei bis drei Mal im Jahr, die kleineren alle zwei Wochen, um ganz schnell mit zu bekommen, wann ein Titel einen Burn hat und die Leute anfangen, ihn nicht mehr hören zu wollen.

Wie kommt es zu der Vorauswahl der Musik?

Tanja Ötvös: Die neuen Titel suche ich selbst aus, an Hand meiner Erfahrungswerte. Ich mache den Job schon ein bisschen länger, da weiß man grob, was in Frage kommt. Zum Beispiel muss ich nicht anfangen Schlager zu testen, oder "Summer of 69" , ein uraltes 80er-Stück, testet als eines der wenigen 80er immer noch supergut, das ist so ein Phänomen. Andere Sachen laufen manchmal schlecht und kommen dann wieder hoch.

Das heißt, dass Sie mit ihrem eigenen Geschmack und ihrer Fähigkeit, die Qualität der Musik abschätzen?