Jeder von uns weiß, wo er war, als die Nachricht vom Einsturz des World Trade Centers kam. Was er gefühlt hat. Den ersten Schock und die Trauer. Wäre ich damals in Deutschland gewesen, hätte ich zudem auch Angst gehabt. Doch nicht hier in Israel, wo die Angst ein fester Bestandteil des täglichen Lebens ist.

Am 11. September hat die Welt verstanden, dass der Terrorismus uns alle angeht. Bis dahin konnte sich der Westen in Sicherheit wiegen. Entführungen und Anschläge erregten zwar weltweit Aufsehen, doch betroffen waren meistens andere, oft genug die Israelis.

Dann kam der Super-Gau von New York. Und plötzlich waren wir nicht mehr allein. Mit einem Mal waren wir die Experten.

Manche sagen, dass mit New York, Madrid und London im Westen eine Entwicklung begonnen hat, die in Israel schon längst bis zum Extrem fortgeschritten ist. Jeder Anschlag ist mehr als nur ein Mittel, eine Gesellschaft zu terrorisieren. Jede Bombe macht auch den künstlichen Graben zwischen den Muslimen und "uns" breiter und breiter.

Alle Muslime, auch die säkularen, werden Stück für Stück aus der Gesellschaft gedrängt. Der Grund ist Angst – in Israel genau so, wie in Europa und den USA. Wohin das führt, kann man in den palästinensischen Gebieten sehen. Vor nicht langer Zeit lag die Arbeitslosenrate hier noch bei etwa 30 Prozent, mittlerweile beträgt sie um die 80. Araber sind per se verdächtig, niemand traut sich, ihnen zu vertrauen.