2001 hätte ein gutes Jahr werden können für die rund fünf Millionen Mexikaner, die als Illegale in den USA lebten. Im Januar versprach der mexikanische Präsident Vincete Fox, der grade sein Amt aufgenommen hatte, gemeinsam mit George W. Bush nach einer Lösung für das Migrationsproblem zu suchen. Doch dazu kam es nicht mehr.

Denn ein dreiviertel Jahr später, nach den Terroranschlägen auf New York und Washington, waren Einwanderer ohne gültige Papiere vor allem eines: ein nationales Sicherheitsrisiko. Die USA verstärkten ihre Grenzkontrollen und setzten ein umstrittenes Rückführungsprogramm für mexikanische Staatsbürger durch, die sich widerrechtlich in den Vereinigten Staaten aufhielten. In Mexiko wurden diese Maßnahmen mit Wut und Enttäuschung aufgenommen. Und spätestens nach der Irak-Invasion der avancierte US-Präsident George W. Bush in den Augen der mexikanischen Öffentlichkeit zum Inbegriff des ungeliebten Gringos .

An der amerikanischen Einwanderungspolitik hat sich seither kaum etwas geändert. Erst vor wenigen Monaten hat die Regierung George W. Bushs 6000 Nationalgardisten an die Grenze zu Mexiko geschickt und deren weiteren Ausbau mit Stacheldraht und Überwachungskameras beschlossen. 600 Kilometer lang soll dieser Grenzwall werden.

Ungeachtet dieser Abschreckungsmaßnahmen verlassen jeden Tag schätzungsweise 500 mexikanische Staatsangehörige ihr Heimatland um auf die andere Seite des "Tortilla-Vorhangs" zu gelangen.

Die meisten dieser Menschen sind campesinos , einfache Bauern aus den südlichen Bundesstaaten Mexikos. Es sind Menschen wie der 37-Jährige Miguel Perez Aguilar. Bis 1998 lebte er in einem kleinen Dorf im Hochland Chiapas von den Erträgen seiner Mais- und Bohnenfelder. Als in Folge des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens billiger Importmais aus Kanada und den USA den mexikanischen Markt überschwemmte und die Preise ins Bodenlose stürzten, musste er aufgeben und seinen Hof verkaufen. Miguel zog mit seiner Frau und den drei Kindern in die eine Autostunde entfernte Touristenstadt San Cristobal de Las Casas . Er arbeitete als Tagelöhner im Baugewerbe und verdiente oft nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn von 43 Pesos, umgerechnet circa drei Euro, pro Tag.