Ich beginne diesen Text nur ungern mit dem folgenden Satz: Das Wetter ist schön, ein wunderbarer Morgen in New York. Der Himmel ist blau und wolkenlos, wie vor fünf Jahren. Und warum etwas anderes schreiben, wenn ich genau daran denke? Ich trage eine bedrückte Stimmung mit mir herum, seit dem Aufstehen schon.

Dabei ist alles wie immer: Der Mann im Deli drückt mir unfreundlich meine Papiertüte mit Bagel und Kaffee in die Hand und plärrt "Next please!", als wäre keine Zeit zu verlieren. Ich nehme den nächsten Express-Train von der 88. Straße, der mich ohne umsteigen an die Wall-Street bringt, nur einen Steinwurf von Ground Zero entfernt. Es ist noch vor der Rush-Hour, ich kann sogar sitzen. Ein Blick durch den Wagen verrät nichts Neues: Menschen, die versuchen, sich möglichst nicht in die Augen zu sehen, die sich hinter der Zeitung verstecken oder das Frühstück to-go verschlingen.

Aus der U-Bahn heraus, stehe ich inmitten einer Armada von Ü-Wagen mit Satellitenschüsseln auf dem Dach. Das Loch liegt noch im kühlen Schatten. Gegenüber hängt eine riesige amerikanische Flagge an der Fassade des World Financial Centers, schon in die Morgensonne getaucht. Ich stelle mich irgendwo an das Gitter, das heute nicht nur Baustelle von Straße, sondern auch Zuschauer von Betroffenen trennt. Ich denke an die Vermissten-Anzeigen, die in den Tagen nach den Anschlägen hier überall zu sehen waren. Natürlich weiß ich das nur aus dem Fernsehen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich hier am richtigen Ort bin. Es ist 8.30 Uhr.