Selbstmord. Das klingt kriminell und schwer verboten. Doch alle 47 Minuten bringt sich in Deutschland ein Mensch um, alle drei Minuten versucht es einer, das sagt zumindest die WHO . Was ist eigentlich dabei?

Ist es nicht sogar bewundernswert, wenn jemand sagt: Heute ist Schluss? Schon Goethe hat damals einen wahren Selbstmord-Hype mit seinen " Leiden des jungen Werthers " ausgelöst. Der amerikanische Soziologe David Philipps nennt das den " Werther-Effekt " – der Freitod einer berühmten Persönlichkeit, einer Roman- oder Filmfigur dient als Vorbild für viele Nachahmer. So war es bei Werther, der sich im Roman aus Liebeskummer erschießt, so war es nach Hemingway und so war es nach Kurt Cobain.

Selbstmord ist die höchste Form der Rebellion, man rebelliert gegen sich selbst, gegen das Wesentlichste, gegen die eigene Existenz. Man sagt nicht nein zu einer Institution, zur Gesellschaft, sondern zum Leben an sich. Kurz vor dem Sprung, kurz vor dem Finale tritt ein Gefühl der Erleichterung, der absoluten Freiheit ein. Fast wie Fliegen. Bei Jugendlichen unter 20 Jahren sind Suizide die zweithäufigste Todesursache nach Verkehrsunfällen.