Ich lebe noch nicht lange in Neukölln. Und in dem knappen Jahr, in dem ich jetzt das sonnengelbe Eckhaus bewohne, hatte ich auch wenig mit diesem Bezirk zu tun. Alle Bilder, die ich mit Neukölln verbinde, sind Klischees: Mit Messern bedrohte Lehrer, türkische und arabische Jugendliche, die sich bekämpfen, Schultage unter Polizeischutz.

Die niedrige Miete, die schöne Wohnung und die verkehrsgünstige Lage waren für mich die besten Argumente, hier her zu ziehen. Und oft treibt es mich zurück in meinen alten Kiez. In Friedrichshain wimmelt es von Szenekneipen, in Neukölln findet man nur Urberliner Klausen, in denen man eine Feierabend-Molle, aber kein Beck’s Gold bekommt.

Neulich fragte ich mich, ob ich mir vorstellen kann, mein Kind hier aufwachsen zu lassen. Dann muss ich spätestens mit dreißig wirklich hier wohnen, dachte ich, während ich an Backshops und Restpostenläden vorbei trottete. Und nun das: Wahlen. Ich muss diesen Bezirk endlich kennen lernen, bevor ich mein Kreuz mache.