Du sprichst von "Freiem Wissen" – was ist so besonders daran? Die Freiheit von Meinung, Kunst und Wissenschaft steht doch längst im Grundgesetz.

Es geht nicht um den theoretischen Freiheitsbegriff, sondern wie dieser heute angewendet wird. Natürlich kann man niemanden davon abhalten, sich selbst schlau zu machen. Aber bei proprietären Programmen kann man zum Beispiel nicht herausfinden, wie sie funktionieren. Diejenigen, die solche Programme schreiben, möchten verhindern, dass anderen Leute erfahren, wie sie programmiert wurden.

Das betrifft aber nicht nur Software: Texte oder Musikstücke darf man sich zwar durchlesen oder anhören. Will man aber Teile daraus verwenden, um wiederum selbst etwas damit zu schaffen, dann ist das verboten.

Das alles hat eigentlich einen guten Grund. So sollen nämlich die Urheber davor geschützt werden, dass jemand anderes ihre Werke nimmt und damit selbst Geld verdient. Aber geistiges Eigentum ist inzwischen so stark geschützt, dass viele Künstler davon nicht profitieren, sondern in ihrer Kreativität eingeschränkt werden. Sie können auf einen großen Bestandteil des Vorhandenen nicht mehr zurückgreifen. Dagegen wendet sich die Bewegung des Freien Wissens. Wir plädieren nicht dafür, das Urheberrecht ganz abzuschaffen. Wir wollen lediglich eine Balance zwischen dem individuellen und dem gesellschaftlichen Nutzen herstellen.

Was ist Euer Vorschlag?

Es gibt zum Beispiel die Creative Commons Lizenzen, die inzwischen immer häufiger genutzt werden. Jeder Künstler, Journalist oder Filmemacher kann selbst entscheiden, unter welchen Bedingungen er sein Material zur Verfügung stellt.