Am Anfang war das Tomatenpesto, dachten sich die Macher der Show des freien Wissens, und deshalb wird auf der Bühne erstmal gekocht. Moderator Helge Haas und Matthias Kirschner von der Free Software Foundation Europe stehen also zusammen vorm Mixer – "wir haben da mal was vorbereitet" – und machen anschaulich, was freie Software bedeutet.

Die Analogie liegt nicht nahe, aber sie funktioniert erstaunlich gut: Mit dem Rezept (alias Quellcode) darf man machen, was man will – lesen, verändern, weitergeben. Und das ist völlig legal. Bei freier Software ist das genauso; bloß ist Software eben meistens nicht frei. Der Quellcode wird nicht veröffentlicht, und verändern darf man ihn schon gar nicht, obwohl doch manche Programme mit ein bisschen Basilikum viel besser laufen würden.

Der gewollt naive Blickwinkel auf ein komplexes Thema erinnert nicht von ungefähr an die "Sendung mit der Maus". Die Initiatoren der Show haben sich vorgenommen, verständlich und unterhaltsam zu erklären, was freies Wissen alles sein kann. Mit einer charmanten Mischung aus "Wetten Dass" und "Pleiten, Pech und Pannen" führen sie ihr Publikum durch unbekannte Welten – von freier Musik über die Online-Enzyklopädie Wikipedia bis zu Netzpolitik und freien Lizenzen.

Freie Software zumindest hätten sie nicht besser erklären können, obwohl ein kleiner Unterschied zum Kochen bestehen bleibt: Mit Kochbüchern kann man gutes Geld verdienen, freie Software dagegen wird oft von Usern selbst weiterentwickelt, ohne dass sie dafür ein Gehalt kassieren. So wird Geld zum großen Thema, wenn es um den unkommerziellen Vertrieb freier Inhalte geht.

Die Idee von freiem Wissen klingt gut, aber warum sollte jemand seine Freizeit opfern, um für andere ohne Bezahlung die Welt zu verbessern? Bei der Spiele-Entwicklerin Annette Pohlke, die im "richtigen Leben" Lateinunterricht gibt, waren es ganz pragmatische Gründe: "Ich war von Anfang an begeisterte Spielerin von Star Wars Combine, bis plötzlich eine neue Version rauskam, die auf meinem Mac nicht lief. Das hat mich so geärgert, dass ich dem Team kurzerhand vorgeschlagen habe, selber eine Mac-Version zu bauen, obwohl ich seit fünf Jahren nicht mehr programmiert hatte." Seitdem gehört Annette zu den Administratoren beim freien Online-Rollenspiel Star Wars Combine und verbringt gut 20 Stunden jede Woche mit dem Spiel, ohne selbst zu spielen. Und ohne Bezahlung.