Die Deutsche Oper hat sich in Schale geworfen. Wie ein Kleid, bestickt mit übergroßen Pailletten, spannt sich ein glitzerndes Netz aus dicht geknüpften Metallplättchen um den klotzigen Bau.  Es ist der Eröffnungsabend der Popkomm.

Im Foyer des Opernhauses thront der finnische Pop-Exzentriker Jimi Tenor inmitten eines Orchesters. Er dreht an den Knöpfen antiquierter Synthesizer und hantiert mit einem Ventilator, der seltsam flirrende Klänge erzeugt. Wie hinter dem Steuerpult eines Raumschiffs steht er da. Aus den Boxen rumort es, Schlagzeugrhythmen scheppern. Ab und an bringen samtige Streicher ein wenig Ruhe in die sperrigen Klänge.

Anlass der Veranstaltung: Jimi Tenor stellt sein neues Album "ReComposed" vor. Es ist eine Auftragsarbeit. Die Deutsche Grammophon bat ihn, sich mit klassischer Musik auseinanderzusetzen und öffnete ihm dafür die Tür zum hauseigenen Archiv. Tenor wählte zwölf Stücke aus - allesamt Kompositionen der sperrigen klassischen Avantgarde . Diese bearbeitete er mit seiner charmant krakeligen Handschrift und verzierte sie mit den Klängen alter Synthesizer, absurd simplen Melodien und hörspielartigen Textpassagen.

"Wie kann Klassik cool werden?" scheint eine Kernfrage gewesen zu sein, die sich die Deutsche Grammophon gestellt hat, bevor sie Tenor um ein Album bat. Bei der langsam aber stetig sinkenden Zahl von Klassik-Hörern kein Wunder. Gesucht wird hier nicht nur nach neuer Kundschaft, sondern langfristig auch nach einer Überlebensstrategie für klassische Musik. Eine Antwort auf den zunehmenden Hörerschwund ist das "ReComposed"-Album von Tenor. Eine andere ist eine Veranstaltungsreihe, bei der Konzerte mit klassischer Musik an die hippen Orte der Clubkultur verlegt werden. Beide Strategien firmieren bei der Deutschen Grammophon unter dem Label Yellow Lounge .

An diesem Abend aber spielt die Yellow Lounge verkehrte Welt. Jimi Tenor, der mit seinem mittlerweile über zehn Jahre alten Techno-Hit "Take me Baby" und zahlreichen Veröffentlichungen auf dem legendären Elektronik Label Warp fast schon ein Veteran der Clubkultur ist, kommt in die Deutsche Oper, einen Tempel deutscher Hochkultur. Anders als erwartet, funktioniert die Fusion von Klassik und Pop. Es macht Spaß Tenor dabei zuzuhören, wie er die Sperrigkeit der klassischen Avantgarde mit seinen verspielten Albernheiten gegen den Strich bürstet.