Der direkteste Weg ins Wählerhirn führt manchmal durch den Gehörgang. Zumindest glaubt das Heinz-Christian Strache, ein Abgeordneter der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ). Der deutsche CDU-Politiker Jürgen Rüttgers hat mit seinem "Kinder statt Inder"-Spruch vorgemacht, dass es sich manchmal lohnt, auf eingängige Slogans in Reimform zurück zu greifen. Heinz-Christian Strache geht noch einen Schritt weiter: Er hat seine Wahlkampf-Slogans gleich als Rap aufgenommen.

Bemerkenswert ist, dass der jugendliche Strache, ein bekennender Liebhaber "schneller Rhythmen" als Ausdrucksform seines politischen Liedgutes eine Art Gangsta-Rap wählte. Das Intro des "HC Raps" erinnert klanglich an Warren G s "Regulate" - sprachlich nimmt der Song jedoch erst einmal Anleihen bei Asterix und Obelix.

"Wir schreiben das Jahr 2006", verkündet Strache, "alle Politiker haben sich mit der herrschenden Regierung abgefunden oder sind bereit, die ÖVP in ihrem Machtrausch zu unterstützen. Alle Politiker? Nein, ein von einer unbeugsamen Partei, der FPÖ, aufgestellter Mann hört nicht auf, Widerstand zu leisten." Dann kickt der Beat und HC rappt in ungelenker Sprache über Lügen, Korruption, kriminelle Ausländer und seinen Säbel. Seinen Säbel? Richtig gehört - denn Strache ist Mitglied der schlagenden Burschenschaft Vandalia . Der ausgebildete Zahntechniker hatte zuletzt vor zwei Jahren einen Salzburger Arzt zum Duell herausgefordert.

Doch zurück zur Musik. Auf den Vorstoß Straches musste Erzrivale Peter Westenthaler vom Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) reagieren. Seitdem Jörg Haider das BZÖ von der FPÖ abgespalten hat, bekriegen sich die beiden Parteien regelmäßig mit verbalen Tiefschlägen. Offen wird Westenthaler von Strache als "Verräter" beschimpft, der jedoch kontert, der rappende FPÖ-Politiker sei lediglich eine jämmerliche Kopie Jörg Haiders.

Den Wählermarkt im Klingelton- und Mp3-Segment wollte Westenthaler seinem Gegner jedoch nicht überlassen. Schließlich kämpfen beide um dieselbe Klientel: junge Wähler für Rechtsaußen. Ob es an mangelndem Talent gelegen hat, dass Westenthaler nicht ebenfalls rappte, oder bewusst eine Art Abgrenzungsstrategie gefahren wurde, ist unklar. Der "Westi-Song" geriet jedenfalls zu einem fröhlichen Alpen-Techno-Kracher.