Wir hängen ein bisschen rum, zu reden gibt es nicht viel, und um elf machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Alberto rast mit seinem Seat bergab, immer eine Hand auf der Hupe. Wir gehen in ein Fischlokal neben der Markthalle in La Ribera. Es ist eine ungewöhnliche Mischung aus einer Hafen-Kantine und einem Yuppieladen. Wir setzten uns an einen der Holztische.

Nach dem Essen verschwinden Sabrina und Karl auf die Toilette. Nach fünf Minuten folgen Alberto und ich. Karl hat den Spiegel von der Wand genommen und hält ihn nun wie ein Tablett. Sabrina hat Lines ausgelegt und jeder von uns zieht sich eine Nase. Dann löst Alberto das MDMA in einer Flasche Wasser auf. Wir trinken es schluckweise. "Die Wirkung kommt spät", sagt Alberto, "aber sie kommt sicher."

Wir nehmen ein Taxi zur Disko. Sie liegt in einem Innenhof, an einem Berg über der Stadt. Unter den Clubs von Barcelona ist dies der Freizeitpark: teuer, durchgestylt und mit Vergnügungsgarantie. Langsam steigen die Drogen im Körper auf, doch ich bin misstrauisch. Schauer laufen mir über den Rücken. Unsere Gespräche werden launischer. Die Brustwarzen stellen sich auf und kalter Schweiß bildet sich unter den Achseln. Ich kann fühlen, wie der Beat nach mir ruft.

"Ihr seid meine Brüder, oder?" fragt Alberto mit seinem verwaschenen katalanischen Akzent. Er beugt sich herüber. Sein Blick gleitet durch mich durch. Wir umarmen uns und Alberto küsst mich auf den Hals. Dann schieben wir uns durch die Menge. Wir tanzen und die Hormone beginnen auch zu tanzen. Um uns herum schwitzt die Crowd von Barcelona. Auf einer Bühne läuft eine gut designte Gogo-Show. Das Kribbeln hat hier viele Gründe. Nur Sabrina bleibt etwas abseits, schweigt. "Do you like it?" frage ich sie. Sie nickt, und ich wundere mich, warum sie so traurig schaut.

Die Party endet jäh. Um vier gehen die Lichter an, Sperrstunde. "Afterhour!". Alberto hat noch nicht genug. Er setzt sich durch und wir nehmen die Bahn stadtauswärts. Die Waggons sind voller Jugendlicher. Ein bleierner Haufen Club-Kids mit leeren, beinah toten Blicken, ausgelaugt, verbraucht und apathisch. Sie machen mir Angst, traurige Reste der künstlichen Ekstase.

An den Fenstern kondensiert der Schweiß. Über den Feldern vor der Stadt geht die Sonne auf. Zwei alte Herrschaften blicken gefasst zu Boden. Sie beschweren sich nicht, dass ihnen niemand einen Platz anbietet. Auch wir stehen, und ich folge dem Blick der alten Dame. "Siehst du das?" Karl ist genauso erschrocken wie ich. Ich nicke stumm. Warum bringt eine Gesellschaft solch eine Jugend hervor?, denke ich. Sie sieht krank aus, entfremdet, total überzogen. Bleich, verschwitzt und allein.

In einem Industriegebiet steigen wir aus und beginnen zu laufen. In der Ferne landen die Flugzeuge. Es ist bereits hell. Die Sonne fordert uns heraus, aber wir, und alle, die mit uns laufen, ignorieren sie.