Der Club ist eine moderne Lagerhalle mit einer langen Schlange davor. Der übertriebene Eintrittspreis eröffnet uns den Vorhof zur Hölle. Der Saal ist voll mit halbnackten Menschen. Durch Ritzen im Dach kann man das Tageslicht sehen.

Auf einer Bühne in der Mitte tanzt ein Punker auf High-Heels. Seine stereotypen Diskobewegungen wirken gelangweilt und abgegriffen. Neben ihm biegt sich eine dunkelhäutige Nixe. Sie hat sich mit Klebestreifen einen metallischen Umhang vor ihren winzigen Busen geklebt. Hier ist jeder auf Drogen. Ein Saal voller Zombies; der kranke Rest, der nicht genug bekommt, nie genug bekommt. Die Musik tötet die letzten Gedanken und hämmert direkt ins Gehirn. "Do you like it?" fragt Sabrina. "Yes, yes", sage ich. "It’s okay."

Ich will nach Hause. Noch fühle ich mich unverdorben und will es auch bleiben. Ich spüre Angst. Angst, dass die Welt wirklich so ist. Die Müdigkeit von zwei durchtanzten Nächten legt sich auf mich. Alberto beugt und schüttelt seinen Körper zur Musik. Er verdreht die Augen und ist kaum noch ansprechbar. Sabrina hat sich einen ruhigen Platz gesucht und die Schuhe ausgezogen. Ich will mit ihr reden, aber sie versteht mich nicht. Es drängt mich weg und ich beginne den Rückweg zu organisieren. Um elf Uhr stehen wir schließlich im Tageslicht, das uns blendet und stören will. Noch auf dem Bahnsteig schläft Alberto ein.

Erst am späten Abend finden wir langsam zurück. Karl und ich sitzen am Strand in Barceloneta. Wir reden. Welle für Welle kommt aus dem Mittelmeer heran und bricht über dem künstlich aufgeschütteten Sand. Wir fühlen uns leer, sind erschrocken über uns. Die Erinnerung an die Nacht setzt sich aus Bildern und chemisch erzeugten Emotionen zusammen. Das Meer tut uns gut. Das Rauschen und der Wind geben uns zurück, was wir verloren haben, den Bezug zur Realität. Später treffen wir Alberto und Sabrina auf der Plaza del Sol um etwas zu essen. Die Nacht hat uns entfremdet. Schweigend starren wir auf den Platz. Ein paar Jugendliche spielen Gitarre und trinken Bier. Es gibt nichts, was wir mit ihnen teilen wollen.

Mein Flug geht am nächsten Morgen in Girona. Ich habe mir die U-Bahn-Verbindung eingeprägt, den Stadtplan studiert und auch die Fahrkarte schon besorgt. Mein innerer Wecker und mein Handy sind gestellt. Ich bin froh zu gehen und will es diesmal nicht verbocken.

Um viertel vor sieben verlasse ich das Haus und steige in die U-Bahn. Ich habe Zeit und fühle mich erleichtert. Als ich am Bahnhof ankomme, sehe ich keinen Bus. Ich bin an der falschen Station, am falschen Ende der Stadt. Um halb elf erreiche ich endlich den Flughafen. Das ist zehn Minuten zu spät für den Ryanair-Check-In. Der Terminal sieht aus wie ein mexikanischer Busbahnhof. Drogen lassen das Gesicht altern, denke ich, ohne in den Spiegel zu schauen. Wahrscheinlich altern auch die Seelen. Erst um Mitternacht lande ich in Hahn. Die Temperatur auf dem Rollfeld liegt im einstelligen Bereich. Ich friere und merke, dass ich krank werde.

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