Mit der schwarzen Socke über dem Kopf sieht Miro aus, wie ein Terrorist. In seiner Holzkiste trägt er giftige Substanzen durch die bolivianische Stadt. Passanten lässt er nicht in Ruhe, er verfolgt sie. Aber Miro will niemandem etwas zu Leide tun. Und sein Gesicht hat er nur zu seinem eigenen Schutz verhüllt.

Miro ist achtzehn Jahre alt und Schuhputzer in La Paz. Er ist einer von den unzähligen, die schon seit frühem Kindesalter zum Erhalt der eigenen Familie auf der Straße arbeiten. Miro war Schuhputzer, Busschreier, Straßenverkäufer, dann wieder Schuhputzer. Sechs Tage in der Woche, zwölf Stunden pro Tag. Mit sieben Jahren begann er seine Karriere in den Gassen der Stadt. Nicht, dass er sich das ausgesucht hätte.

Bolivien ist eines der ärmsten Länder der Welt, aber auch eines, das so schnell wächst wie wenige sonst. In ein paar Jahren wächst hier eine neue Generation in den Städten heran, zahlreich, aber mit geringen Chancen auf Bildung. Mehr als die Hälfte der bolivianischen Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre.