Montag. In einem friedlichen Handstreich besetzen die beiden außerparlamentarischen Bewegungen "Bündnis 06/ Die Korrekten" und die "Demokratische Bewegung Das Volk" (DBDV) das Kanzleramt und verkünden die "Vernunftrepublik". Ausgestattet ist die neue Regierung mit einem Anfangsbudget von 37,6 Millionen Euro, die ein Lottogewinner zur Verfügung stellte , und der enormen publzistischen Macht des DBDV-Vorsitzenden Franz Josef Wagner . Dienstag. Gegen den Widerstand der Korrekten setzt Wagner, nun selbsternannter Generalsekretär Deutschlands, die Fernsehshow "Was denkt Deutschland?" als Legislative ein. Zum Ausgleich dürfen die Korrekten einen Kandidaten für das Präsidentenamt vorschlagen. Die Wahl fällt auf Kurt Krömer , der sich in den letzten Jahren seinen Ruf als moralische Instanz hart erarbeitet hat. Die Feuilletonisten vermuten, dass Krömer sich darüber freut. Mit Verweis auf höhere Aufgaben kann er aus seinem Knebelvertrag mit der ARD aussteigen. Mittwoch. Der Rausch des Aufbruchs ist einem Kater gewichen: Detailkram. Bei der Bearbeitung der Richtlinien zur Wirtschaftspolitik prallen die beiden Strömungen erstmals hart aufeinander. Die Korrekten sind der Meinung, dass unendliches Wachstum bei endlichen Ressourcen eine Lebenslüge sei. Sie wollen daher einen zivilisatorischen Schritt weitergehen, den Thron des Geistes, den Postmaterialismus, erklimmen und ein Leben in Sinnlichkeit führen. Die Macht vor Augen, schlägt Guido Westerwelle, der mit seinem Gespür für richtige Zeitpunkte seit gestern kommissarischer Wirtschaftsminister von Wagners Gnaden ist, zurück: Die Korrekten hätten die menschliche Natur nicht ganz verstanden. Wagner grummelt nur irgendwas von "Disziplin, Fleiß, Pünktlichkeit." Donnerstag. Endgültig Krisenstimmung im "Rat der Vernunft". Das Geld ist alle. Die Korrekten werfen Wagner vor, es könne nicht sein, dass eine Revolutionsregierung als erstes einen neuen Dienstjet kaufe. Das würde ja mal wieder alles sagen. Er habe nur Airbus helfen wollen verteidigt sich Wagner kleinlaut. Da ihm Staatsschulden schon immer zuwider waren, befiehlt der Herr Generalsekretär eine nicht zu knappe PKW-Maut. Die Korrekten können damit leben, sie feilen an ihren Grundsätzen der Sinnlichkeit. Keine Zeit für Autofahren. Die DBDV-Spitze feiert ihren Coup abends mit einem privaten Konzert von Florian Silbereisen . Auch der Präsident ist eingeladen, kommt aber nicht. Freitag. In einem Sturm der Entrüstung kündigt Wagners eigentlicher Arbeitgeber dessen Job und verteilt Aufkleber gegen die "Franz-Joseph Abzocke". Als dann auch noch die Korrekten verkünden, dass sie einen umfangreichen Katalog der Sinnlichkeit erarbeitet hätten und nun aus der neuen Regierung aussteigen müssten, da das Grundsatzpapier sämtliche Hierarchien negiere, ist es soweit. Aufstand beendet. Kurt Krömer schämt sich öffentlich, wie peinlich dit jetze wär. Als ehemaliger Präsident einer einwöchigen Revolte könne er ja nie wieder ins Ausland. Er entlässt Wagner und geht in Neukölln einen saufen. "Wenigstens den sindwa jetzt los", wird Krömer noch zitiert. Am Thresen verkündet er die Rückkehr der Bundesrepublik: "Aber so wie früher!" Samstag. Es gibt nichts schöneres als das Wochenende nach einer Revolution. Zuender empfiehlt eine Vernissage-Tour durch Berlin Mitte. Man beginnt am Hackeschen Markt und trinkt sich mit kostenlosem Sekt durch diverse Hinterhöfe bis in den Prenzlauer Berg. Abends können wir Freunde einladen und halbgescheite Semiprominenz dabei beobachten, wie diese den Klassiker "Das Nilpferd in der Achterbahn" spielt. Von einem uns alle liebenden Fernsehsender "extreme activity" getauft. Man kann aber auch den Fernseher kaputt schlagen und selbst spielen. Sonntag. Der Tag steht zur freien Verfügung. Ich gehe zur Kirche, sie spielen "Kleines Senfkorn Hoffnung". Danach rufe ich das schwarzhaarige Mädchen aus dem Leingarten an.

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