Markus und Thomas haben sich vor 12 Jahren auf einer Parkbank kennen gelernt. Markus sagt, es war Liebe auf den ersten Blick. Im nächsten Zug nahm er Thomas mit nach Hause. Seitdem leben die beiden zusammen, im letzten Sommer haben sie endlich geheiratet. Markus ist 36 und ein Homo sapiens, Thomas ist eine Katze.

Möglich gemacht hat das "Marry your pet", eine Initiative aus Baltimore (USA). Ein christlicher Pfarrer traut dort Herrchen mit Kätzchen, Hündchen mit Frauchen oder Mann mit Tarantel.

Die " Universal Life Church ", die hinter "Marry Your Pet" steht, hat die Gleichberechtigung der Tierwelt zu ihrer Sache gemacht. Sie fordert zum Beispiel zum radikalen Vegetarismus auf. Die Hochzeitsinitiative entstand zwar angeblich unter Alkoholeinfluss in einer Bar und der Bund der Ehe zwischen Mensch und Tier hat vor dem Gesetz keine Gültigkeit. Doch die große Nachfrage ist ein Indiz, dass es zumindest die eine Hälfte der Heiratswilligen durchaus ernst meint. Sentimentale Geschichten, die auf der Website www.marryyourpet.com zum Besten gegeben werden, zeugen von realen Bedürfnissen und wenig Selbstironie. "Ich wollte wenigstens einmal in meinem Leben heiraten", erläutert eine Hundebesitzerin das Motiv für die Hochzeit mit ihrem Joey. Eine andere Frischvermählte fand sich durch ihren Kater von einer schlimmen Beziehung erlöst: "Ich habe gemerkt, dass er immer ganz empört war, wenn ich mich mit meinem Ex-Freund traf. Er hat mir geholfen, diesen ekelhaften Typen zu vergessen."

In vielen der Love-Stories ist das Motiv für die Tierleidenschaft die Enttäuschung über Beziehungen mit Menschen. Der animalische Ehepartner wird dann einem Menschen als moralisches Beispiel gegenübergestellt. Über die Beziehung zu einem Hamster: "Ich hatte so viel Liebe zu vergeben! Aber kein Mann hat je zu mir gesagt, dass er mich liebt oder dass ich toll bin. Als ich die Männer aufgab, wurde ich einsam und kaufte Jakob, einen grauen Hamster. Er ist sehr fit und trainiert täglich im Laufrad, ist stark und hat einen tollen Körper. Er hat mir so viel Liebe gegeben, wie kein Mann sie mir je geben wird. Sagen kann er das zwar nicht, aber ich weiß dass er so fühlt. Er findet mich schön und wundervoll. Er liebt mich und ich liebe ihn."

Das Haustier als perfekter Lebenspartner? Zumindest ist es leichter, das Tier vor den Altar zu zerren, weil es sich kaufen lässt und nicht Nein sagen kann. Und das Schoßhündchen gibt auch eine wunderbare stumme Projektionsfläche für die eigenen Gefühle ab. Ein Mann über seinen Ehepartner, einen Hund: "Timmy ist ein Einsiedler, so wie ich. Wir gehen gern spazieren und mögen das gleiche Essen. An heißen Sommertagen trinkt er sogar ganz gern mal ein Bier mit mir. Wir reden nicht viel, laufen meist nur schweigend nebeneinander her. Wir wissen einfach, was der andere fühlt."