Montag Es ist soweit! Karl Friedrich Lentze geht mit seiner Innovation zur Entfusselung von Kokosnüssen an die Öffentlichkeit. Wie bereits bei den Memoiren Gerhard Schröders hatten Spiegel und BamS die Exklusiv-Rechte zum Vorabdruck. Bereits am Sonntagabend liefen die Ticker der Agenturen heiß: "Da die Kokosnuss, wenn sie bei uns in den Handel kommt, noch Restfasern aufweist, muss sie ab sofort von Hand rasiert oder maschinell von den Haaren befreit werden." Jahrelang hatte der 53-jährige Rheinländer Karl Friedrich Lentze über die Fusseln gebrütet. "Schließlich handelt es sich um eine der heikelsten Lebensmittelproblematiken die Obst- und Gemüseverarbeitung betreffend. Der Horror jeder Hausfrau und jedes Hausmannes ist eine durch Kokosnusshaare voll gefusselte heimische Küche bzw. Wohnräume." Dienstag In einer weltweit ausgestrahlten Pressekonferenz präsentiert Lentze sein Geeignetes Verfahren zur Umarbeitung der gemeinen, behaarten Kokosnuss zur so genannten rasierten bzw. nicht fusselnden Kokosnuss, dann auch bezeichnet als Die Nuss des Lentze, Lentze`sche Nuss oder schlicht Lentzenuss, manuell bzw. unter Einsatz von Maschinenautomaten . Während er für die Entwicklung der Maschinenautomaten noch einige Jahre veranschlagt, kann die Hand-Rasur sofort losgehen. "Unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, wäre es in Deutschland am günstigsten, Ein-Euro-Jobber zur Rasur der Nüsse einzusetzen", so Lentze. Es sei aber auch denkbar, die Endbearbeitung gleich in den Herkunftsländern durchzuführen. Damit würden uns die Nüsse schon im glatt rasierten Zustand erreichen und eine aufwändige Reinigung voll gefusselter Schiffs- und Flugzeugladeräume entfiele. Mittwoch Die Reaktionen überschlagen sich. Der deutsche Hausfrauenbund gibt positives Feedback: Durch die Verwendung der nackten Kokosnussfrucht halten sich die immensen Aufräumarbeiten in Grenzen. Weniger Staubsaugetätigkeit spart teuren Strom – gerade vor dem Hintergrund der steigenden Strompreise ein großes Plus. Auch die italienische Hausmänner-Vereinigung zeigt sich begeistert. Sie haben in einem Express-Seminar die verschiedenen Rasiertechniken getestet und die Nassrasur mit vorherigem Einschäumen der Kokosnuss als die Effektivste erkannt. Donnerstag Erste rasierte Nüsse kommen in den Handel. Jedoch haben übereifrige Ein-Euro-Rasierer die Kokosnüsse poliert und gewachst. Die bayerische Verbraucherzentrale meldet noch am selben Tag Bedenken an, dass eine zu glatte Nuss schwer festzuhalten sei. Während der weiteren Arbeitsgänge auf dem Tisch bestehe eine erhebliche Unfallgefahr für Kleinkinder, Hunde, Katzen, Füße, Parkett, usw.; die Steinfrucht könnte zum Geschoss werden. Freitag Lentze stellt sich in einer kurzfristig anberaumten Krisen-Pressekonferenz der Kritik der Verbraucherschützer. In einer Hauruck-Aktion erfindet er eine Leine mit Saugnapfapplikation, mit der die glatte Nuss unter Kontrolle gebracht werden kann. Alternativ bietet er die Entwicklung eines künstlichen Fussel-Mantels an, ähnlich den gehäkelten Klorollenschonern. Die Wogen glätten sich bald, die Verbraucherschützer sind von den überwiegenden Vorteilen der Rasur überzeugt. Samstag Das hatte keine Unternehmensberatung kalkuliert! Es kommt zu Engpässen in der Rasierklingen-Industrie. Aufgrund der extrem gestiegenen Nachfrage geraten die Rasur-Riesen Gillette und Wilkinson Sword in Lieferschwierigkeiten. Das Geschäft für Gebrauchtrasierwarenhändler schnellt in die Höhe, auch bei eBay explodieren die Preise. Sonntag Die rasierte Kokosnuss hat die behaarte in kürzester Zeit vom Markt verdrängt. Ein enormer Kaufschub aufgrund der neuen, verbraucherfreundlichen, energiesparenden, hautschmeichlerischen Oberfläche ist eingetroffen. Die Südfrucht-Kontore erleben einen Boom. Die Schaffung von Arbeitsplätzen in Deutschland beeinflusst auch die Konjunktur positiv. Karl-Friedrich Lentze fährt außerplanmäßig in den Urlaub.

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