Du sagst von Dir selbst, du wärst Popautor, nicht Journalist.

Ja, was aber nicht heißt, dass ich mich nicht als Journalist sehe. Im Gegenteil: Popautor greift weiter. Konkret bedeutet das: Geschichten auch abseits der reinen Information zu erzählen, größere Bögen zu zeichnen, auch Dinge zu schreiben, die auf den ersten Blick nicht der Kern der Geschichte sind. Natürlich arbeite ich auch journalistisch, wenn es darum geht, Fakten zu vermitteln.
Investigativ arbeitet man im Musikbereich allerdings kaum. Wir schreiben zwar auch Artikel, die in die Tiefe gehen – wenn es zum Beispiel um den Konkurs des Musikvertriebs Efa oder um Piraterie geht, dann werden für eine Story durchaus mal 15 Leute interviewt. Normal ist im Musikjournalismus aber eher, dass man eine Newcomerband trifft und mit der redet. Dafür muss man natürlich nicht so viel recherchieren.

Liest man deine Texte, hat man das Gefühl, mehr über dich zu erfahren als über den portraitierten Künstler. Von dir stammt auch die These "Der Autor ist mindestens so wichtig wie der Künstler selbst."

Das hat mit der Musik zu tun, mit der ich sozialisiert wurde. Punkrock und Hardcore haben damals in den frühen Achtzigern ganz bewusst das Gefälle zwischen der Bühne und dem Publikum aufgebrochen. In den Siebziger Jahren war das noch typisch, später stand die Band immer auf gleicher Höhe mit dem Publikum. Dahinter steckte die Idee, dass die Band nicht besser oder schlechter ist als die Zuhörer. Das habe ich dann aufs Schreiben übertragen.
Allerdings sehe ich es nicht so, dass man genauso viel über mich wie über die Band erfährt – das war selbst in den sehr auf das Autoren-Ich fixierten Tagen bei der Intro , so gegen 2001, nicht so. Es geht immer darum über persönliche Geschichten auch etwas über die Band zu erzählen.

Das Schreiben über Musik ist also ein gleichwertiger künstlerischer Prozess, ebenso wichtig wie das Musik machen?

Natürlich gibt es kleinere Geschichten, die man schnell runter schreibt. Aber normalerweise will ich etwas abliefern, das auch in einem Jahr noch Bestand hat. Ähnlich wie eine Band möchte, dass ihr Album in einem Jahr noch gut klingt.