Mein schlimmstes Silvester hatte ich zum Millenium, wenige Wochen, bevor ich meine Heimatstadt verließ. Meine Freunde hatten beschlossen, zusammen ein Ferienhaus an der holländischen Küste zu mieten. Erstens war es dort schön und zweitens waren wir etwa zwanzig Jahre alt.

Ich sagte natürlich zu. Mit fünfzehn Leuten einige Tage in einem Haus zu verbringen, das roch nach Klassenfahrt, duseliger Stimmung und vielleicht sogar der ein oder anderen kleinen Affäre. Ich freute mich darauf.

Es war auch nicht weiter schlimm, dass wir die Hinfahrt zu sechst in einem voll gepackten kleinen Peugeot verbrachten. Auch nicht, dass die Fahrt etwa fünfzehn Stunden dauerte. Ebenso wenig störte mich, dass direkt nach der Ankunft im Haus eine riesige Bong auf den Wohnzimmertisch gestellt wurde, die bis zu unserer Abreise fünf Tage später nicht mehr ausging.

Ich konnte damit leben, dass es regnete und regnete. Dass die anderen in meinem Bett ein Gummibären-Wasser-Experiment durchgeführt hatten: So etwas passiert beim Kiffen. Alle Frauen, die dabei waren, waren frisch verliebt. Naja, wäre ohnehin nicht gut, so kurz vor dem Wegziehen noch mal was anzufangen. Dass das Einkaufsteam in Rotterdam fast nur Gras und nichts zu essen geholt hatte, ließ sich verschmerzen. Man konnte ja auch zur Tanke gehen.

Was mich aber wirklich aufregte, war, dass ich Mitternacht verpasste. Wir waren zum Feiern in eine Bar gegangen, die recht nah am Wasser lag. Als wir uns um zehn vor zwölf langsam sammelten, fehlte plötzlich Robert. Wo war er? Er war in seinem vollkommen zugerauchten Zustand doch hoffentlich nicht schwimmen gegangen! Wir begannen den Strand abzulaufen. Unsere Rufe wurden lauter und hektischer, unsere Angst ließ uns überhören, dass wir gerade ein neues Jahrtausend begannen. Wo war er? An Land offenbar nicht. Wäre er im Wasser, hätte er uns längst hören müssen. Außer, er wäre schon untergegangen. Das war zu viel. Wir beschlossen, die Wasserpolizei zu rufen oder den Rettungsdienst. Irgendwen, der nicht stoned war.