Natürlich macht die Globalisierung auch vor dem Fußball nicht halt. Dieser Umstand bestätigt, dass es nur eine temporäre Frage ist, wann welche Region auf der Erde einen bestimmten Entwicklungsstand erreicht. Das ist gut. Andererseits bringt die Globalisierung aber eine gewisse Gleichförmigkeit in die Dinge, da jeder den einmal als richtig erkannten Weg einschlägt. Und da Fußball wie das Leben ist, liegt dieser in der goldenen Mitte. So, wie die deutsche Mannschaft das vertikale Spiel als Schwachpunkt erkannt hat, legt Brasilien offensichtlich den Trainingsschwerpunkt auf die geordnete Langeweile. Die afrikanischen Mannschaften stehen auffallend diszipliniert in der Defensive und Südkorea probt kreative Spielzüge, anstatt den Gegner kaputt zu rennen.

Die Erklärung hierfür ist wohl im größten Unterschied zwischen Fußball und sonstiger Realität zu suchen: Der Fußball kennt keine Grenzen. Mit allgemein akzeptierter Selbstverständlichkeit tingeln Fußballer und Trainer durch die Weltgeschichte und bereichern die Szene an ihrem jeweiligen Aufenthaltsort. Der Austausch findet auf allen Ebenen statt: Ze Roberto zeigt Schweinsteiger im Bayern-Training Tricks und Guus Hiddink bringt mittelmäßigen Mannschaften ein taktisches Verständnis bei, die diese zu Favoritenschrecken werden lassen.

Einwanderungsbestimmungen und anderer Protektionismus zu Lasten der Qualität spielen im Fußball ebenso keine Rolle, wie die am Anfang der Internationalisierung des Spiels vor circa 15 Jahren geäußerte Sorge, die Fans könnten sich nicht mehr mit ihren Vereinen identifizieren und dem Fußball den Rücken zukehren, wenn zu viele Spieler mit exotischen Namen in ihrem Verein spielen. Diese Annahme stellte sich als Pfeifen im Walde derer heraus, die in ihrer Kleinbürgerlichkeit wie immer Angst vor Veränderungen haben. Was die Fans sehen wollen, sind Spieler, die alles dafür geben, zu gewinnen.

Schaut man sich auf Eurosport Fußballspiele vergangener Zeiten an, etwa bis zur WM 1990, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass die damaligen Mannschaften bei einer Teilnahme an der WM 2006 auf verlorenem Posten stehen würden. Nicht, dass es am Talent läge, aber die Universalausbildung der heutigen Fußballer ist mit dem damaligen Kick nicht zu vergleichen. Das Spiel von heute kommt ein gutes Stück temporeicher daher, bei einer gehobenen Technik. Taktisch spielen alle Mannschaften in ihrer Grundaufstellung sehr ähnlich. Man kann also sagen, dass durch den Austausch in der weltweiten Fußballgemeinde das Spiel innerhalb von anderthalb Jahrzehnten qualitativ auf ein ganz neues Level gebracht hat.

Am Anfang standen wirtschaftliche Interessen, am Ende eine Bereicherung für alle. Vielleicht ist Fußball einfach besser als die Wirklichkeit. Vielleicht aber liegt der Neoliberalismus doch nicht ganz so falsch, wie man als Mensch mit vielschichtigeren Interessen als Arbeit und Wettbewerb immer wieder bestrebt ist, zu denken.