Zwei Engländer stehen im thailändischen Dschungel und starren ratlos auf eine Felswand, an der ein dünner Wasserstrahl heruntertropft. Da stapft man stundenlang durch den Busch, schwitzt sich die Seele aus dem Leib und dann das: "This is the shittiest waterfall I have ever seen in my whole life." Treffender hätte man kaum beschreiben können, was alle über das Reisen ahnen: Irgendetwas findet man immer, nur nicht unbedingt das, was man sucht.

Irgendwie auf der Suche sind alle Reisenden in Hotel Very Welcome – dem Film, den Regisseurin Sonja Heiss gerade auf der Berlinale vorgestellt hat. Sie suchen einen Anschlussflug, die ultimative Party, Wasserfälle oder sich selbst. Mit einem feinen Sinn für Situationskomik und liebevollem Blick für abwegige Details beschreibt der Film in fünf Episoden die Erlebnisse von fünf Backpackern in Asien.

Die Idee, einen Film über Rucksacktouristen zu machen, kam der Regisseurin auf einer eigenen Reise: "Wir waren mit dem Rucksack in Indonesien unterwegs und haben uns gefragt, warum es darüber eigentlich keinen Film gibt." Wer jetzt an Hochglanzbilder thailändischer Inseln denkt, wie man sie aus der Verfilmung von Danny Boyles Roman The Beach kennt, wird schnell eines Besseren belehrt: " The Beach war Business-Class", wird noch vor der Premiere verkündet. Hotel Very Welcome will echtere Bilder zeigen.

Den Anspruch erfüllt Sonja Heiss’ Film tatsächlich, er fängt die berüchtigte Spezies der Asien-Reisenden so ein, wie sie wirklich durch Bombay oder Bangkok streunt. Da ist Liam aus Schottland, der bis tief in die indische Wüste reist, um ein Problem zu vergessen, das auch nach seiner Rückkehr auf ihn warten wird. Die Engländer Josh und Adam dagegen wollen in Thailand nur ein bisschen Spaß haben – zwischen Vollmond-Raves und Dschungelspaziergängen lernen sie sich allerdings besser kennen, als ihnen lieb ist. Marion ist aus der Enge ihrer heimischen Beziehung in ein indisches Meditationscenter geflüchtet, wo die Erlösung auf sich warten lässt. Und Svenja wollte eigentlich längst woanders sein, hat aber in Bangkok ihren Anschlussflug verpasst.

"Es gibt viele Gründe, aus denen man reisen kann", erzählt die Regisseurin: "Manchmal verreise ich, weil ich müde bin und weg will, und manchmal, weil ich denke, ich fühle mich woanders besser. Die Grundidee von Reisen ist eigentlich, dass man irgendwo anders Dinge wahrnimmt, die man mitnimmt für sein Leben. Aber oft ist man dann doch nur mit sich selbst beschäftigt."