Tobias Ellguth senkt den Kopf, seine langen Haare verdecken das Gesicht. Er muss sich konzentrieren, um den richtigen Ton und die passende Lautstärke zu finden. Dann growlt er los. Das Stück heißt I Will Kill You und ist von Cannibal Corpse , einer Death-Metal-Band. Schon während des Auftritts schaut die Jury von Deutschland sucht den Superstar den 16-Jährigen schräg an. Als Tobias fertig ist, äfft der Juryvorsitzende Dieter Bohlen zunächst sein Gebrüll nach. Dann legt Bohlen los: "Ich habe im Moment Magen- und Darmgrippe. Was ich gerade gehört habe, hat mich ein bisschen an das erinnert, was mir vorhin auf dem Klo entfahren ist." Tobias wünscht noch gute Besserung und geht.

"Das war ja noch ganz human", meint Tobias später nach der Aufzeichnung. Besonders getroffen wirkt er nicht. Gewinnen wollte er sowieso nie, sagt er. Als er beim Surfen im Internet gesehen habe, dass man sich für die vierte Staffel von Deutschland sucht den Superstar bewerben könne, erinnerte er sich an ein Video, das er auf YouTube gesehen hatte. Es war ein Ausschnitt aus der österreichischen Version von DSDS . "Da hat jemand ein Death-Metal-Stück gesungen", sagt Tobias. "Hörte sich geil an." Tobias mag Death Metal. So sehr, dass er es auch anderen Menschen näher bringen möchte – zum Beispiel dem durchschnittlichen RTL-Zuschauer. Also meldete er sich mit I Will Kill You bei DSDS an. "Das war nie ernst gemeint. Ich wollte nur schocken und ein bisschen Spaß haben", sagt Tobias. Ob er deswegen ein Dissident sei? Einer, der die Jury mit ihren eigenen Waffen schlage, weil ihm die Bewertung egal ist? Tobias winkt ab. "Genau solche Leute wie mich wollen die doch haben."

RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer bestätigt das. "Die ersten fünf Sendungen, leben gerade von diesen schrägen Typen", sagt sie. In den frühen Auswahlrunden würden deswegen bewusst nicht nur die besten Sänger, sondern auch die seltsamsten Bewerber ausgewählt. Eickmeyer glaubt, die Mehrheit der Bewerber bei den Castings sei dort, um zu gewinnen. Einigen merke man aber an, dass sie die Show nicht ernst nehmen. "Die wollen einfach mal ins Fernsehen kommen."