"Tötet die Ungläubigen, wo immer ihr sie finden könnt. Wenn sie euch angreifen, dann tötet sie." Diese und andere Zitate aus dem Koran finden sich in dem Video Islamic Teachings , das der Nutzer Nick Gisburne auf die Videoplattform YouTube hochgeladen hatte. Das Video ist eine Collage aus zusammenhanglosen Zitaten, die auf mehr oder weniger radikale Weise zum Kampf gegen "die Ungläubigen" aufrufen. Anfang Februar wurde es von YouTube ohne Vorwarnung gelöscht – ebenso wie Gisburnes Nutzerkonto. Der Film habe ungeeignete Inhalte ("inappropriate content") transportiert, so die Begründung.

Seitdem wird in der YouTube -Gemeinschaft und der Blogosphäre wieder vehement darüber gestritten, ob YouTube die Meinungsfreiheit beschneidet.

Natürlich darf und muss YouTube zensieren, allein schon, um die Verletzungen gegen das Urheberrecht auf seinen Seiten in den Griff zu bekommen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, schließlich muss die Seite nicht zur öffentlichen Streaming-Plattform für urheberrechtlich geschützte Filme und Fernsehsendungen werden.

Problematisch wird es erst, wenn Filme mit der Begründung gelöscht werden, sie transportierten "ungeeignete Inhalte". In der Regel wird dieser Vorwurf gegen Gewalt verherrlichendes oder pornografisches Material erhoben. Mit Hilfe eines von YouTube angebotenen Werkzeuges, "Flagging" genannt, können Nutzer Videos als "ungeeignet" markieren. YouTube -Mitarbeiter entscheiden dann darüber, was davon tatsächlich gelöscht wird. Im vergangenem Oktober hat YouTube die Liste der Gründe, aus denen ein Beitrag als "ungeeignet" gemeldet werden kann, um einen weiteren erweitert: "Hate Speech".

Seitdem können also nicht mehr nur Porno-Clips und Hinrichtungsvideos, sondern auch alle Beiträge gelöscht werden, die jemand als bedrohlich, herabsetzend oder beleidigend empfindet. Das ist nun wirklich ein Problem. Denn indem YouTube es ermöglicht, Beiträge schwammig als "Hate Speech" zu deklarieren, kann im Grunde jedes Video, das eine kontroverse Meinung transportiert, zensiert werden.